Feuchter Sand knirschte zwischen braunen Lederstiefeln und alten, kalten Steinplatten. Ein schwacher Schein einer alten Lampe erleuchtete ein kleines Stück des langen, dunklen Korridors. Kleine Krabbeltierchen aller Art mit zwei, vier, sechs und acht Beinen suchten vor der Lichtquelle Schutz und rannten über die feuchten Wände und Böden. Auch die Mutigsten unter ihnen verkrochen sich, sobald einer der Stiefel in ihrer Nähe aufsetzte.
Gehalten wurde die Lampe von der behandschuhten Hand eines jungen Mannes. Die grüne Kleidung gab ihn als Waldbewohner aus, die Ausrüstung − Schild, Schwert, Bogen, Pfeile − als Krieger. Vorsichtig suchte sich der Held mit Namen Link seinen Weg durch das unterirdische Labyrinth, die Lampe in der einen Hand, eine alte ausgebleichte Karte in der anderen.
Die Feuchtigkeit der unterirdischen Gewölbe war in seine Kleidung eingedrungen, machte sie unangenehm kalt und klamm. Es war kalt, so dass sein Atem kleine Wölkchen bildete, die wie kleine, flüchtige Geister im Licht der Laterne wieder vergingen.
Eine kleine Spinne erstarrte im Lichtschein, als dieser sie erreichte, betrachtete den Fremden einen Augenblick und strebte dann auf einen dunklen Spalt in der Mauer zu. Der Junge beachtete sie nicht, sondern konzentrierte sich voll und ganz auf den Weg, der vor ihm lag. Er betrachtete die Karte und verglich sie immer wieder mit der Umgebung. Erker, Abzweigungen, Treppen − die Karte war sehr genau und führte ihn sicher durch diesen und noch andere Korridore. Bis sie endete. Die Karte war unvollständig. Der zerfledderte Rand des alten Schriftstücks ließ vermuten, dass jemand sie absichtlich zerrissen hatte. Um das Geheimnis dieses Labyrinths zu wahren? Um sich selbst auf die Suche nach dem geborgenen Artefakt zu machen?
Dem jungen Helden war der Grund egal. Für ihn war nur die Tatsache von Bedeutung, dass die Karte ihn nicht weiterleiten würde und er nun ganz auf sich gestellt war.
Entschlossen verstaute er das Dokument aus alter Zeit in seiner Tasche, zog sein Schwert und setzte seinen Weg unbeirrt fort.
Ebenso wie die Karte endete auch das Labyrinth abrupt. Nein, es endete nicht, sondern veränderte sich nur so, dass der junge Mann erstaunt stehen blieb. Vor ihm öffnete sich der Korridor zu einem breiteren Raum. Die Steinblöcke, die die Decke stützten waren nicht mehr nur roh behauen, sondern mit Mustern reichlich verziert. Die Säulen endeten in grotesken Fratzen, die Hände über dem Kopf, um die Deckenplatten zu halten. Die Luft war wärmer, nicht mehr so feucht und auch das Ungeziefer, das Link den Weg bis hierher begleitet hatte, war verschwunden. Die verschiedenfarbigen Steinplatten auf dem Boden bildeten akkurate Muster. Ein kleines Becken mit frischem, klarem Wasser befand sich rechts an der Wand. Kurz darüber ein kleiner Spalt umrahmt von rötlichen Steinen, aus dem das Becken gespeist wurde.
Verwundert trat Link einige Schritte in den Korridor zurück. Nichts. Um ihn herum war es dunkel. Nur die alte Lampe gab ihren warmen Lichtschein ab, der schon nach wenigen Metern von der Dunkelheit verschluckt wurde.
Er machte wieder einen Schritt vor und stand erneut in dem Raum mit dem Wasserbecken. Es gab da noch etwas, was ihn sehr verwunderte. Das Licht der Lampe hätte nicht stark genug sein dürfen, die ganze Kammer zu erhellen und trotzdem gab es nur hier und da einige kleinere Schatten. Der junge Mann löschte die Lampe.
Der Raum blieb weiterhin hell, die Details der Wände und Figuren gut erkennbar. Es war nicht auszumachen, woher das Licht kam, daher vermutete Link eine Art von Magie. Hyrule war voll davon.
Er trat zu dem Wasserbecken, hockte sich daneben, legte das Schwert neben sich und schöpfte einige Hände voll. Das kühle Nass rann seine Kehle hinab und erfrischte ihn. Aus seiner Tasche zog er eine Flasche, befüllte sie mit Wasser und steckte sie wieder ein. Einige Spritzer Wasser ins Gesicht gönnte er sich noch, dann nahm er das Schwert wieder auf. Die Lampe band er an der Tasche fest, so dass sie abkühlen konnte und sofort griffbereit war, sollten sich die Lichtverhältnisse wieder ändern.
Das Ende der Kammer war eine Wand, deren Steinblöcke nicht eben eine Fläche bildeten, sondern jeder einige Zentimeter hervorstand oder zu tief hinein geschoben worden war. Eine Tür war nicht zu sehen.
Ein Rätsel, schoss es dem jungen Helden durch den Kopf, der auf seinen Reisen schon zu oft in scheinbaren Sackgassen gelandet war, als hier aufzugeben. Er schob das Schwert zurück in die Scheide und betastete die einzelnen Steinblöcke mit der Hand. Er versuchte zunächst einen versteckten Hebel oder etwas Ähnliches zu finden, einen Mechanismus, der den Weg freigab.
"Hier offenbar nicht", murmelte er vor sich hin und trat einen Schritt zurück, betrachtete mit gerunzelter Stirn die Wand und ließ dann seinen Blick durch den Raum schweifen. An der schimmernden Wasseroberfläche blieb er hängen. Durch die teilweise reflektierende Oberfläche waren die farbigen Steinplatten des Grunds zu sehen. Diese Farben und auch die Lichter des Raumes tanzten auf der Wasseroberfläche, während diese durch das hinzu fliessende Wasser in Bewegung war.
Mit dem Gefühl einer neuen Idee ließ Link sich wieder vor dem kleinen Becken nieder. Zunächst betrachtete er die Steine, besonders die, die den Boden bildeten.
Ebenso wie die Bodenplatten des Raumes zeigen die Platten im Becken ein Muster an. Vier rötliche Steine bildeten in der Mitte des Wasserbeckens ein Quadrat, darum herum ein grauer Rahmen und dann das helle Braungrau, das im ganzen Raum dominierte.
Er steckte die Hand ins Wasser und befühlte die Oberfläche der roten Steine: glatt. Seine Finger glitten weiter auf die grauen Flächen zu. Irritiert stopfte Link am Übergang der beiden Farben. Die grauen Steine schienen tiefer zu liegen als die Roten. Neugierig betastete er den Übergang zwischen Grau und Braungrau. Die braungrauen Platten lagen nicht viel aber doch merkbar höher.
Da muss etwas sein, dachte sich der junge Mann und unter suchte weiter die rötlichen Steine. Beflügelt von einer plötzlichen Idee versuchte er die Steine in Richtung der grauen Flächen zu verschieben.
"Das ist es!" entfuhr es ihm triumphierend. Als die erste rote Steinplatte ihren neuen Platz in der einen Ecke auf der grauen Fläche einnahm, verschob Link auch die anderen drei Steine. Intuitiv wählte er dieses Muster für die neue Anordnung. Scheinbar hatten seine vielen vergangenen Abenteuer ihn in dieser Hinsicht einiges gelehrt.
Als das Muster komplett war, schwanden die roten Steinplatten lautlos in der grauen Fläche. Diese verfärbte sich, nahm die rötliche Färbung an.
Mit tiefem Grollen verschoben sich nun drei große Steine auf der rückwärtigen Wand und verschwanden im Innern derselben.
Erfüllt von seinem kleinen Triumph nahm Link sein Schwert wieder zur Hand und trat auf die neue Öffnung zu.
Dahinter tat sich ein weiterer Raum auf. Dieser erstreckte sich über zwei Etagen, wobei die zweite aus drei Plattformen bestand, die von weiteren Säulen mit Monsterköpfen gestützt wurden. Eine Plattform befand sich rechts, eine links und die letzte am Ende des Raumes. Auch die Bodenplatten dieses Raumes bildeten ein Muster, dass genau das war, welches Link zum Öffnen des Eingangs verwendet hatte. Auf den vier roten Steinplatten standen hier brennende Fackeln. Ihr Schein ließ Schatten auf den Wänden tanzen und verzerrte die ohnehin schon grotesken Fratzen an den Säulen noch mehr. Türen waren auf dieser Ebene nicht zu erkennen.
Der junge Held beschloss, zunächst die Balkone zu untersuchen und wandte sich nach links.
In der Wand unterhalb des Balkons war eine Vertiefung eingelassen. Die Hand eines Menschen mochte genau hineinpassen. Link griff hinein und ertastete einen Schalter, den er auch sogleich tief eindrückte.
Geräusche in der Wand verrieten, dass er einen Mechanismus in Gang gesetzt hatte. Er sah sich im Raum genau um, um die verursachte Veränderung ausfindig zu machen. An der gegenüberliegenden Wand hatten sich ein paar Steine vorgeschoben und konnten nun als Kletterhilfe genutzt werden. Nach wenigen Augenblicken stand Link auf dem rechten Balkon und betrachtete die Umgebung aus seiner neuen Position.
Gegenüber auf der ersten Plattform stand eine kleine Figur, ein zähnefletschendes Monster mit einem roten Kristall in der Hand. Die letzte Plattform war leer.
Link zog Pfeil und Boden aus seiner magischen Tasche, zielte sorgfältig und ließ den Pfeil von der Sehne springen. Mit einem Zischen sauste das Geschoss durch den Raum und erreichte sein Ziel, das mit lautem Klirren zersprang. Wie kleine Funken flogen die Splitter des Kristalls auseinander, schimmerten im Licht der Fackeln. Die Figur, von einem weiteren Mechanismus angetrieben, drehte ihr Gesicht der Wand zu und blieb dann stehen.
Einen Moment herrschte Stille, dann erklangen erneut die Geräusche einer versteckten Maschinerie. Diesmal kamen die Laute von der letzten Plattform. Deren mittlere Steine schwebten hinab und bildeten eine Art Leiter, die den Weg zu einer weiteren nun offenen Tür freigab.
Hastig verstaute der junge Mann seine Waffen und sprang zum Boden des Raumes hinab. Wieder knirschten Sand und Staub der Jahrhunderte unter den Sohlen seiner Stiefel. Nur wenige Schritte trennten ihn noch von der Leiter, als ein mächtiges Grollen erklang. Erschrocken verharrte Link in der Bewegung und lauschte. Aus dem Augenwinkel nahm er eine Bewegung wahr: Das Tor oben schloss sich! Mit einem "RUMPS" fiel ein großer Stein die letzten Zentimeter hinab und versperrte den Weg.
Doch der Lärm hörte nicht auf. Mit einer bösen Vorahnung drehte sich Link dem Eingang zu, doch auch dort hatte der Verschlussstein den Boden fast erreicht. Er rannte darauf zu, wusste aber bereits, dass er zu spät kommen würde. Der Stein erreichte den Boden und versperrte nun auch diesen Weg hinaus. In einem verzweifelten und sinnlosen Versuch stemmte er sich gegen den Steinblock und schob. Nichts. Dann versuchte er die Finger unter den Stein zu schieben, um den richtigen Halt zum Hochheben zu bekommen. Auch diese Methode erwies sich als erfolglos. Vor Anstrengung keuchend gab der junge Mann seine Bemühungen auf und wandte sich wieder dem Raum zu. Vielleicht hatte er ein weiteres Rätsel übersehen?
Seine Nackenhaare stellten sich auf. Link nahm unbewusst etwas wahr, was er erst einen Moment später mit seinen Sinnen erfassen sollte. Aufmerksam den Raum beobachtend zog er sein Schwert und nahm den Schild vom Rücken. Seine Reflexe ließen ihn Kampfposition einnehmen, er beruhigte seine Atmung und konzentrierte sich voll auf seine Umgebung.
Ein Schrei, mehr ein Kreischen, hinter ihm verhieß das Erscheinen des ersten Feindes. Der junge Held wirbelte herum, riss halb erschrocken den Schild hoch und parierte so ersten Schlag der echsenartigen Gestalt. Diese wich unter einem neuen Schrei zurück, sprang im nächsten Moment wieder vor und schlug mit einem kurzen Schwert nach dem Eindringling. Der Herzschlag des jungen Mannes wollte sich nicht beruhigen, so sehr hatte ihn der Angriff trotz seiner Aufmerksamkeit überrascht. Mit etwas Mühe brachte er ihn wieder unter Kontrolle, viele Jahre des Trainings halfen ihm dabei.
Link wich dem Hieb aus und schlug selber zu. Er verfehlte die Echse um nur wenige Zentimeter. Das Monster setzte sofort zum nächsten Schlag an, der donnernd auf den Schild des jungen Helden krachte. Die Wucht des Schlages ließ Link fast das Gleichgewicht verlieren. Er schwankte einen Moment, fasste dann das Schwert fester und stürzte auf die Kreatur zu.
Das Monster machte einen Sprung zurück und ließ ein wildes Kampfgeschrei hören. Link korrigierte seine Richtung ein wenig und rammte dem Ungeheuer den Schild entgegen. Mit aller Kraft drückte er die Kreatur von sich und auf eine Wand zu. Mit wütendem Schrei widersetzte sie sich, stemmte sich mit aller Macht gegen den jungen Mann und wehrte so seinen Angriff ab. Link erkannte, dass dieser Versuch gescheitert war und ließ von der Echse ab. Er zog sich einige Schritte zurück und suchte nach einer Schwachstelle bei seinem Gegner.
Das Echsenmonster ging wieder zum Angriff über. Es schrie und schlug wild nach dem Jungen, der geschickt jedem Hieb auswich oder ihn mit dem Schild parierte. Der Wutausbruch ließ die Kreatur unvorsichtig werden. Link erkannte eine Lücke in ihrer Abwehr und schlug zu. Das Schwert traf das Monster am Schildarm. Mit einem Schmerzensschrei ließ es den Schild fallen. Der junge Held sah seine Chance gekommen, machte einen Satz nach vorne und schlug ein zweites Mal zu. Diesmal traf er die ungeschützte Kreatur am Brustkorb. Ein lang anhaltender Schrei, der Wut und Schmerz ausdrückte, hallte durch den Raum, dann löste sich das Monster in Rauch auf. Die leichten Schwaden zogen durch den Raum, verteilten sich bis sie nicht mehr zu erkennen war.
Ein weiteres Kribbeln im Nacken verriet dem jungen Kämpfer, dass noch mehr Gefahr hier auf ihn wartete.
Aus dem Nichts erschien eine zweite Echsenkreatur. Diese war mit einem Speer bewaffnet und kam von der anderen Seite des Raumes auf den Jungen zu gerannt. Die Speerspitze funkelte bedrohlich im Schein der Fackeln, blitzte tödlich auf, wenn das Licht im richtigen Winkel auftraf.
Link wand sich dem neuen Angreifer zu. Der Speer raste auf ihn zu und im letzten Moment warf sich der junge Mann zu Boden und rollte sich hinter die Kreatur. Doch er war zu langsam gewesen. Das Monster hatte sich bereit umgedreht, bevor er wieder auf den Beinen war.
Der Speer sauste ihm entgegen, verfehlte und schlug auf dem Boden auf. Die Waffe verschwand und befand sich einen Augenblick später wieder in der mit Klauen bewehrten Hand der Echse. Diese startete sofort einen neuen Angriff, schlug mit dem Speer nach Link und ahmte das Geschrei ihres Vorgängers nach. Der Schrei schmerzte in den Ohren, ein schrilles Piepsen blieb noch einen Moment länger und quälte den Helden, obwohl er längst verhallt war.
Der junge Held änderte seine Taktik. Er vergrößerte den Abstand zu dem Ungeheuer und zwang es dazu, den Speer erneut nach ihm zu werfen. Kaum hatte der Speer die Klaue der Kreatur verlassen, rollte sich Link wieder über den Boden, bis er sie erreicht hatte. Noch während er aus seiner rollenden Bewegung herauskam, riss er das Schwert in Richtung der Kreatur und schlug zu. Das Schwert zischte in einer schnellen Bewegung durch die Luft. Ein sauberer Schnitt durchtrennte den Rumpf und einen Augenblick später verhieß Rauch das Ableben der Echse.
Link richtete sich auf und war bereit, einer weiteren Herausforderung entgegen zu treten. Zu seiner Verwunderung und Erleichterung tauchte kein weiteres Monster auf. Mit einem sandigen Knirschen schoben sich die beiden Steine langsam wieder nach oben und gaben so die Türen frei.
Noch schwer atmend schob Link Schild und Schwert zurück und machte sich auf zur zweiten Tür. Den Rest des Raumes kontrollierte er aus dem Augenwinkel.
Hinter der Türöffnung befand sich wieder ein langer dunkler Gang, nur leicht beleuchtet von einigen Fackeln, am Ende eine weitere Tür.
Link öffnete sie und trat in einen neuen Raum. Dieser hatte eine gewölbte Decke mit alten Malereien, die Szenen eines Krieges zu zeigen schienen. Fackeln beleuchteten nur das matte Bild an der Decke, der untere Teil des Raumes blieb im Dunkeln. Die Farben waren im Laufe der Zeit verblasst, doch die Darstellungen waren noch erkennbar. Schnaufende Pferde trugen ihre schwer bewaffneten Reiter dem Feind entgegen, Krieger prallten aufeinander, schlugen mit monströsen Waffen aufeinander ein. Es war ein Blutbad.
Der junge Mann nahm eine der Fackeln aus ihrer Halterung und leuchtete sich so den Weg durch den Rest des Raumes. Boden und Wände waren kahl, keine Verzierungen, Muster, Bilder. Nichts. Schlichtes Braungrau. Nur in der Mitte des Raumes stand ein großer, heller Steinblock mit vier Vertiefungen darin.
Link betastete den Block und die Vertiefungen mit der verbliebenen Hand. Es war kein Mechanismus zu erkennen. Er versuchte den Block zu verschieben, doch dieser rührte sich kein Stück. Mit einer Hand hatte das keinen Sinn. Um die zweite frei zu bekommen, steckte der Junge die Fackel in eine der Öffnungen. "Klick" machte es unter dem Stein.
"Ha!" machte der junge Held kurz, sprang auf und holte die zweite Fackel von der Wand. Vorsichtig steckte er sie in das nächste Loch. Mit einem weiteren "Klick" wurde er dafür belohnt. Zügig holte er auch die letzten beiden Fackeln von der gegenüberliegenden Wand und fügte sie in den Vertiefungen ein. Klick, klick.
Knirschend und grollend begann der Steinblock sich zu drehen. Er drehte sich einmal um sich selbst und hielt dann an. Mit einem weiteren Klick wurde ein weiterer Mechanismus aktiviert und der Stein senkte sich in den Boden. Die vier Fackeln hingen gleichzeitig aus und ließen Link im Dunkeln zurück.
Bereit sich auch in absoluter Finsternis zu verteidigen, zog er sein Schwert und fasste es mit beiden Händen. Wieder grollte es irgendwo im Raum. Der Junge lauschte und versuchte zu erfassen, woher die Geräusche kamen.
Auf der anderen Seite öffnete sich eine verborgene Tür und grelles Licht strömte in die Kammer. Link war einen Augenblick geblendet. Dann ging er auf die Tür zu und blickte in den Raum dahinter.
Eine große Halle erstreckte sich vor dem jungen Helden. Sie war ganz in weißen Marmor gehalten, Säulen stützen die hoch oben liegende, gewölbte Decke und vermittelten das Gefühl, der Raum wäre noch größer. Fresken an den Wänden wiederholten die Motive aus der vorigen Kammer und erweiterten die Geschichte des Krieges um sein Ende: Am Ende des Saales war das komplette Schlachtfeld dargestellt. Die getöteten Krieger erhoben sich, Untote mit blutverschmierten Waffen wanderten über das Feld. In ihrer Mitte ein großer skelettierter Krieger mit Rüstung, der ein Artefakt in den Knochenhänden über seinem Kopf hielt. Die anderen Auferstandenen scharrten sich um ihn und das mächtige Objekt.
Link betrachtete die Szene einen Augenblick, dann lief ihm ein Schauer über den Rücken. Das Artefakt musste unglaubliche Kräfte besitzen, es konnte nur der von ihm gesuchte Blutstein sein.
Der Blutstein war ein magischer Stein, der in alter Zeit von einigen grausamen Heerführern eingesetzt worden war, um eine verlorene Schlacht doch noch zu gewinnen. Der Besitzer des Steins erwachte nach seinem Tod auf dem Schlachtfeld als Dämon und scharrte seine und die feindlichen Krieger als Untote um sich. So wie es die Darstellung in dieser Halle beschrieb.
Irgendwann war der Stein verschwunden und alte Legenden berichteten, dass eine weise Frau ihn damals an sich genommen hatte und ihn tief in einem Schrein verbarg. Links Recherchen hatten ihn hierher geführt und nun schien sich zu bestätigen, dass der Stein hier war. Nur wo?
Link sah sich weiter um.
Unter dem steinernen Bild befand sich eine Tafel mit alten Schriftzeichen und darunter eine kleine Rinne mit klarem Wasser. In der Mitte vor dem Bild ging eine weitere Rinne ab, die die Stufen vor der Darstellung hinab führte und sich dann in sechs kleinere Rinnsaale aufteilte, die sternförmig durch den ganzen Raum führten und schließlich ein einer weiteren Rinne, die den Raum umgab, endeten. Leises Plätschern verriet, dass der Wasserlauf ständig mit frischen Nass versorgt wurde, allerdings war nirgends zu erkennen, wo das Wasser her kam. Auch bei genauerem Hinsehen, konnte Link nicht herausfinden, wo der Zulauf war.
Dem jungen Mann war sofort klar, dass hier irgendetwas mit dem Wasserlauf gemacht werden musste, doch weitere Informationen konnte er wohl nur aus dem Text auf der Tafel entnehmen. Also ließ er sich vor der Tafel nieder, zog das alte Buch, das er auf seiner Suche in einer alten Bibliothek erhalten hatte, aus der Ledertasche und versuchte sich an einer Übersetzung.
Irgendwann schliefen Link die Beine ein. Er stand auf, streckte sich, befühlte sein kaltes Hinterteil und ging eine Runde durch die riesige Halle. Dabei betrachtete er die anderen Darstellungen des Krieges, in der Hoffnung, einen weiteren Anhaltspunkt zu erhalten, doch der entscheidende Hinweis war nicht zu finden. Die kleineren Bildnisse zeigten nur Ausschnitte der großen Schlacht. Ein Krieger schlug mit der Axt auf eine Feind ein, ein anderer wurde von einem Speer durchbohrt.
Als er das große Bildnis wieder erreicht hatte, setzte Link seine Arbeit fort. Einige Zeit später hatte er verschiedene Worte auf einem Blatt Papier zusammengetragen, den Sinn hatte er aber noch nicht erfasst. Ein Teil der Übersetzung fehlte offenbar noch immer.
Da stand: "In dunklen Zeiten ... der Unterwelt ... Glut im Herzen eines alten Mannes ... entfachtes Feuer ... Tote ... in den Krieg ... auf ewig verloren. Des Herzens Weib ... Stein ... Unheil bringt, ... verschlossen. ... Opfer reinen Herzens... Geheimnis ... ."
Erschöpft rieb sich der junge Held die Augen und massierte kurz seine Schläfen. Die alten Schriftzeichen auf der Tafel und die im Buch ähnelten sich sehr, waren aber nicht identisch. Er vermutete, dass die Tafel und das Buch nicht aus derselben Zeit stammten und sich die Sprache einfach weiterentwickelt hatte.
Außerdem enthielt das Buch keinerlei Angaben zu den Deklinationen und Konjugationen der Wörter.
Ziemlich entnervt von der Übersetzungsarbeit und in dem Bewusstsein, dass er ohne die Übersetzung nicht weiter kommen würde, rückte er näher an die erste Zeile heran und verglich erneut die Symbole mit denen im Buch.
Stunden später war die Übersetzung fertig. Völlig erschöpft ließ sich Link nach hinten fallen und streckte sich auf dem weißen Marmorboden aus. Für einen Moment schloss er die Augen, dann setzte er sich auf und las den übersetzten Text laut vor:
"In dunklen Zeiten fing der Herr der Unterwelt das Böse ein und sperrte die Glut im Herzen eines alten Mannes ein. Ein entfachtes Feuer verzerrte die Lebenden und rief Tote, dass sie ziehen in den Krieg. Ihre Seelen gingen auf ewig verloren. Des Herzen Weib des dunklen Herren entwand den Stein, der Unheil bringt, und verbarg ihn, auf dass er ewig verschlossen bliebe. Nur das Opfer reinen Herzens vermag das Geheimnis zu enthüllen."
Er runzelte die Stirn und wiederholte leise den letzten Satz:
"Nur das Opfer reinen Herzens vermag das Geheimnis zu enthüllen."
Der Text schien ihn nicht ein Stück näher an des Rätsels Lösung zu bringen und er fürchtete, zum einen seine Zeit mit der Übersetzung vertan zu haben, zum anderen seine Aufgabe diesmal nicht erfüllen zu können. Ein leises Gefühl des Versagen beschlich ihn bereits.
Auf der Suche nach neuen Eingebungen trat Link wieder vor das Bildnis, hielt ein paar Schritte Abstand, um es in seiner Gesamtheit erfassen zu können. Sein Blick folgte den Formen der Waffen und Körper und blieb schließlich an dem Artefakt hängen. Irgendetwas hatte es mit dem Rätsel zu tun, auch wenn es nur die Abbildung des echten Artefakts war.
Er trat nun direkt vor das Bild und hatte das Objekt direkt über sich. Mit ausgestrecktem Arm konnte er es erreichen. Es war kalt und glatt, so wie der restliche Marmor in seiner Umgebung.
"Ein Opfer reinen Herzens", wiederholte der Junge die Textpassage und betastete das Objekt. Glut, fiel es ihm ein. Rot, Blut, ließ er den Gedanken weitergehen. Blut, Opfer. Konnte es das sein? Der Stein war rot. Ein Opfer konnte mit Blut gebracht werden und Blut war auch rot. Ob sein Blut reichte?
Zögerlich zog er sein Schwert aus der Scheide und ritzte sich in den Unterarm bis Blut floss. Link verzog das Gesicht und ignorierte den Schmerz. Dann steckte er das Schwert zurück und hob den Arm zu dem Artefakt hinauf. Blut tropfte auf den weißen Marmor und lief bald darauf an dem feinen Stein hinab. Der junge Mann nahm den Arm wieder runter und stillte die Blutung, als die ersten Tropfen seines Blutes die Wasserrinne erreichten. Er verfolgte, wie das Blut sich im Wasser verteilte und es zart rötlich verfärbte. Schließlich erreichte die rote Flüssigkeit den Stern und verteilte sich im ganzen Saal.
Link zuckte zusammen. Der Boden zitterte und ein tiefes Grollen hallte von der hohen Decke wieder. Das Wasser in der Rinne verfärbte sich nun tiefrot und bildete so ein Muster auf dem Boden der Halle. Das Beben nahm zu und der Junge sah sich verwirrt um. War das Grollen ein positives oder ein negatives Zeichen?
Die Decke hielt, aber der Grund für das Beben war nirgends erkennbar. Mit dem Gedanken, das ganze Gewölbe stürze ein, packte Link Übersetzung und Buch und eilte zur Eingangstür zurück. Von seinem neuen Standort aus sah er sich erneut im Saal um.
Aus dem steinernen Bildnis an der Stirnseite der Halle löste sich die Gestalt des Kriegsherrn und trat heraus auf den weißen Marmorboden. Er tauchte sein steinernes Schwert in das blutige Rinnsaal und betrachtete es dann zufrieden. Ein bösartiges Lächeln formte sich auf dem entstellten, steinernen Gesicht, das eher eine Fratze denn ein Gesicht war. Als der steinerne Krieger die Darstellung ganz verlassen hatte, wandelte sich ein Äußeres. Groteskerweise bekam es mehr Leben, denn der Stein verwandelte sich in Knochen, Fleisch- und Hautfetzen. Der Helm und die Rüstung aus Stahl zeigten die Blutflecke der geschlagenen Schlacht und ein zerfetzter Umgang folgte jeder Bewegung des Dämons.
Das Zittern des Bodens verebbte, wurde abgelöst von einem Knirschen hinter dem jungen Helden. Mit Entsetzen sah er, wie sich ein weiterer dicker Steinblock vor die Tür schob und ihm damit jede Fluchtmöglichkeit nahm. Es blieb ihm keine andere Wahl als sich dem Ungetüm zu stellen.
Mit Schwert und Schild bewehrt, trat Link in die Mitte des Saales und wartete auf den Angriff der dämonischen Gestalt.
"Bist du bereit zu Sterben?" donnerte die Stimme des Dämons durch den Raum. "Du wirst bald einer meiner Krieger sein!"
Die Stimme ließ den jungen Mann erschaudern, er bekam eine Gänsehaut. Er ließ seinen Gegner nicht aus den Augen, beobachtete jede Bewegung der Kreatur und hielt noch gebührenden Abstand zwischen sich und dem Feind.
Der Dämonenkrieger lachte, nahm seinen Kontrahenten offensichtlich nicht ernst und trat einen Schritt vor. Dann beugte er sich nach vorne und ließ ein grausiges Brüllen hören. In den Augen des jungen Helden ahmte er das "Buhh!", mit dem man kleine Kinder erschreckt, nach. Er ließ sich davon nicht beirren, stand weiter mutig in Kampfposition bereit und wartete auf die erste Attacke.
Von dem Mut des Jungen zum Teil beeindruckt, zum Teil verärgert, begann das Monster seinen Angriff. Es machte einige Schritte auf seinen Gegner zu und schwang sein Schwert nach ihm. Die massige Gestalt war etwas schwerfällig, so dass Link mit Leichtigkeit ausweichen und zum Gegenschlag ansetzen konnte. Mit einem kräftigen Schlag hieb er auf den rechten Arm der Kreatur ein und ließ krachend die Knochen zersplittern.
Das Monster reagierte mit mächtigem Geschrei, schwang das Schwert in Links Richtung, wobei der abgetrennte Arm immer noch den Griff umklammerte und mitgeschwungen wurde.
Hastig machte Link einen Satz nach hinten. Ein Teil des knochigen Unterarms sauste nur wenige Zentimeter an seinem Gesicht vorbei. Das war knapp!
Durch die Wucht des Schlages riss sich die Knochenhand los und flog durch den halben Saal, bevor sie gegen eine Wand prallte, noch mal brach und zu Boden fiel.
Der nun einarmige Dämon funkelte Link böse an und zeigte dann ein dämonisches Grinsen. Er hob den Armstumpf in Richtung des abgetrennten Teiles, welches zu zittern begann. Die Knochen setzten sich wieder zusammen und das fertige Teil nahm seinen Platz am Armstumpf wieder ein.
"Ähhh!" machte der überraschte Held und starrte entsetzt auf den nun wieder voll funktionsfähigen Arm. Mit schallendem Lachen verhöhnte ihn die Knochengestalt.
Gliedmaßen abtrennen war damit keine Option mehr. Der junge Mann überlegte, wie er diesem Gegner wohl beikommen könnte, ließ ihn dabei aber nicht aus den Augen.
Der Dämon ging wieder zum Angriff über, sprang vor und ließ das Schwert auf Link niedersausen. Dieser wehrte den Schlag mit dem Schild ab, ging jedoch unter der gewaltigen Kraft in die Knie. Die Luft wurde aus seinen Lungen gepresst und der Schlag ließ seinen Brustkorb schmerzen. Er stöhnte.
Das Monster zog das Schwert zurück und gab den Jungen frei. Heftig keuchend rang dieser nach Luft, während er aufsprang und wieder mehr Abstand zwischen sich und die mächtige Klinge brachte. Einem weiteren solchen Angriff würde er sicher nicht standhalten. Er musste dem unbedingt ausweichen.
Mit einem Zischen durchschnitt das Dämonenschwert wieder die Luft, immer auf der Suche nach seinem Ziel. Diesmal rollte Link sich darunter hinweg.
Er nutze die langsameren Reaktionen des Monsters und stürmte auf es zu. Zielsicher hieb er auf den Rumpf ein, durchstieß die Rüstung. Wieder knackten Knochen, Rippen brachen und Knochensplitter fielen zu Boden. Allerdings zeigte der Angriff sonst keinerlei Wirkung. Der Dämon wandte sich dem Angreifer zu und brachte so das gefährliche Schwert wieder zwischen sich und Link. Einen Moment später setzte bei der Verwundung am Brustkorb der Kreatur derselbe Prozess ein, der zuvor schon den Arm wiederhergestellt hatte.
"Na klasse! Bei allen Göttinnen!" fluchte Link, während er durch den halben Saal rannte und sich wieder außer Reichweite des Monsters brachte.
Er überlegte fieberhaft, wo der Dämon wohl seine Schwachstelle haben könnte. Offenbar war er so etwas wie unverwundbar. Aber irgendwie musste ja auch dieses Monster zu besiegen sein. Gliedmaßen und Rumpf schieden aus, daher blieb nur noch der Kopf. Doch um an den zu gelangen musste der junge Held am Schwert vorbei. Ein waghalsiger Plan entwickelte sich in seinem Kopf. Schließlich war er entschlossen, schob den Schild auf den Rücken und griff sein Schwert mit beiden Händen.
Mit einem Schrei stürmte er auf das Monster zu. Das Schwert der Kreatur sauste wieder heran. Im richtigen Augenblick sprang der junge Held, trat auf die Klinge, stieß sich noch kurz davon ab und raste auf den Kopf des Skelettkriegers zu. Mit einem weiteren Schrei entfesselte er all seine Kraft und schlug auf den Schädel ein. Er flog daran vorbei und fing seine Landung mit einer gekonnten Rolle ab. Training machte sich halt doch manchmal bezahlt.
Polternd fiel der behelmte Kopf zu Boden, rollte noch einige Meter und blieb dann liegen.
Link zog den Schild wieder herbei und wappnete sich für einen Gegenschlag, doch diesmal kam nichts. Stattdessen hielt der Körper des Dämons in der Bewegung inne, ließ dann das Schwert sinken und stürzte schließlich in sich zusammen.
Der junge Mann atmete erleichtert tief durch. Dennoch vorsichtig näherte er sich dem Schädel. Als er gerade danach greifen wollte, begann die Knochenfratze zu rotieren, erhob sich in die Luft und ließ ein fürchterliches Gelächter hören. Erschrocken wich Link ein paar Schritte zurück und hob den Schild zwischen sich und den Dämonenschädel.
"Nicht schlecht für einen Anfänger", höhnte die Fratze und kam zum Stillstand. Die Augen begannen in dunklem Rot zu leuchten und eine kleine Rauchwolke bildete sich dort, wo zuvor noch der Körper gewesen war.
Link ahnte bereits, dass der Kampf noch nicht vorüber war, und zog sich noch einen Schritt zurück. Zunächst musste er sehen, was das Monster als Nächstes vorhatte. So stieß er gegen den Knochenhaufen, den kläglichen Rest des einstigen Skelettkriegers. Ein flüchtiger Blick sagte ihm, dass dieser immer noch unverändert auf dem Boden lag und offenbar keine Gefahr von ihm ausging, außer vielleicht, dass er ein Hindernis darstellte. Ein Schritt zur Seite gab dem Jungen die nötige Bewegungsfreiheit zurück.
Dem schwebenden Schädel klappte der Unterkiefer hinunter und er entließ einen Feuerball in Richtung seines Kontrahenten. Das Geschoss schwoll an und hatte bald die Größe einer Melone. Einer brennenden Melone.
Link hob den Schild und der Feuerball prallte dagegen. Funken stoben auseinander und der junge Mann wandte instinktiv den Kopf ab. Einige Funken erreichten seine Kleidung und Haare und brannten sie an. Eine lavaähnliche Flüssigkeit, der Rest der Feuerkugel, tropfte vom Schild herab und bildete eine heiße Pfütze auf dem Marmorboden. Sie breitete sich aus und Link war gezwungen noch einen Schritt auszuweichen, wollte er seine Stiefel nicht verbrennen.
Der Totenkopf ging sofort zum nächsten Angriff über. Er raste auf Link zu, wobei sich der Rauchschweif in einen Feuerschweif verwandelte.
Link tauchte mit einer Rolle darunter hindurch und kam hinter dem Feind wieder auf die Beine. Er sprang und schlug nach dem Schädel, doch dieser hatte die Gefahr bereits erkannt und vergrößerte seinen Abstand zum Boden. Er war schnell außerhalb von Links Reichweite und verhöhnte den Jungen mit einem weiteren Lachen.
Der nächste Feuerball wurde abgeschossen. Diesmal wich Link vorher aus und das Geschoss verging ohne größere Wirkung am Boden. Der Dämonenschädel hauchte schon eine neue Kugel aus, die direkt vor den Füßen des jungen Helden aufschlug. Abrupt zum Halten gebracht, wendete dieser und sprang erneut auf den Schädel zu. Wieder schaffte dieser es nach oben auszuweichen. Auf dem glatten Boden schliddernd fand Link seinen Weg unter der Kreatur hindurch und kam wieder hinter ihr zum Stehen. Diese Zeit genügte, die Kreatur schoss hinab und der Feuerschweif brannte über Links Schwertarm. Mit einem Schmerzensschrei sprang der Junge zurück, kontrollierte sich soweit, dass er den Schild fallen ließ anstatt das Schwert und hielt mit der freien Hand den verwundeten Arm. Er brauchte einen Moment, sich zu erholen, seine Fassung wieder zu erlangen und den Schmerz halbwegs zu ignorieren. Dann wandte er sich mit schmerzverzerrtem Gesicht der Fratze zu.
Wieder erschallte das höhnische Lachen.
"Ich werde dich Stück für Stück auseinander nehmen!" versprach der Dämon und setzte zu einem weiteren Sturzflug an.
Diesmal wich Link rechtzeitig aus, schwang sein Schwert und erwischte den Schädel mit voller Wucht. Wie eines seiner eigenen Geschosse flog der Dämonenkopf durch den Raum und zerschellte schließlich an einer der Wände. Die Bruchstücke fielen zu Boden und verschwanden wie jedes gewöhnliche Monster in einer Rauchwolke. Ebenso verpuffte der Knochenhaufen. Link wand sich gerade noch rechtzeitig um, um die letzten Rauchschwaden zu sehen, wie sie sich ganz auflösten.
"Nicht mit mir!" stieß er triumphierend hervor.
Erleichtert ließ er sein eigenes Schwert sinken, setzte sich an Ort und Stelle nieder und versorgte erst mal seinen Arm. Er kramte in seinem Lederbeutel und zog eine Flasche mit roter Flüssigkeit hervor, die bald nach dem Öffnen einen widerlich süßlichen Geruch verströmte. Ein wenig Heiltrank linderte die Schmerzen, auch wenn der Geschmack nicht viel besser als der Geruch war, und der junge Mann angewidert das Gesicht verzog und würgen musste. Zuletzt tupfte er mit einem mit der Heiltinktur getränkten Tuch über die Wunde am Arm. Der enthaltene Zauber würde sich bald entfalten und die Heilung erheblich beschleunigen.
Nachdem alles wieder ordentlich in der magischen Ledertasche verstaut war, das Schwert in seiner Scheide auf dem Rücken steckte und der Schild ebenfalls seinen Platz dort eingenommen hatte, erhob sich der Held und trat wieder vor das Bildnis.
An der Stelle, die der Kriegsherr noch vor kurzem eingenommen hatte, erschien nun eine kleine Schatulle. Das reich verzierte Kästchen schwebte auf der Höhe, auf der das Abbild des Artefakts gewesen war.
Link griff nach dem Behältnis, nahm es zu sich heran und öffnete es vorsichtig. Gleißendes, rotes Licht trat hervor und blendete den jungen Mann einen Augenblick, dann konnte er den Stein darin erkennen. Dies musste der Blutstein sein. Sorgfältig verstaute er das Kästchen in seiner Tasche und wandte sich dem Ausgang zu, der nun nicht mehr von einem Steinblock verschlossen wurde. Dieser hatte sich zusammen mit den Resten des Dämons aufgelöst. Zufrieden machte er sich auf den Rückweg durch die Kammern und Gänge des alten Labyrinths.