Zelda - Der Kampf in der Wüste

Dies ist eine Fortsetzung von "Die dunkle Festung", daher ist es sinnvoll erst die andere Geschichte zu lesen.

Kapitel 1

Heftiger Wind blies um die hastig errichtete Wehr am Rande der Gerudo-Wüste, trug den Sand, den der junge Held mit der Zeit hatte hassen gelernt, in jede Nische. Kleine Verwehungen bildeten sich an verschiedenen Stellen, erschienen wie ein gelbes Meer, das an fremde Klippen brandet.
Das steinerne Bauwerk, eine mächtige Mauer mit Türmen in regelmäßigen Abständen und mit Zinnen bewehrten Laufgängen, schien Leben von Tod zu trennen, den tiefblauen Hylia-See von der bedrohlichen Wüste. Ein neu angelegter Weg führte vom See herauf, erleichterte den Transport der Baumaterialen. Die Wüste war durch ein Tor zu erreichen, direkt über dem tiefen Graben, hinüber führte eine hölzerne Brücke, die im Notfall schnell zerstört werden konnte. Ein kleiner Vorplatz diente als Lager, Soldaten warteten dort auf ihren Einsatz, putzten Waffen, trainierten. Auf der anderen Seite der Mauer waren etliche lange Speere schräg im Boden verankert worden, die der Abwehr von angreifenden Reitern dienten. Ihre metallisch glänzenden Spitzen wiesen gen Wüste.
Mit allen Kräften hatten die Hylianer in den letzten Wochen den Verteidigungswall erreichtet, alle Völker hatten sich beteiligt. Die Goronen hatten Unmengen an Steinen von ihrem Feuerberg heruntergebracht, Burns hatte sie tatkräftig mit seinen besten Sprengstoffen unterstützt. Die Zora hatten die Arbeiter mit Wasser und Nahrung versorgt und Holz auf dem Wasserweg transportiert. Sogar die Kumulaner hatten sich beim Bau der Anlage beteiligt und mehr als ein Duzend Kanonen zur Verfügung gestellt, die nun direkt auf die Wüste ausgerichtet waren.
Die Prinzessin hatte etliche Wachen abkommandiert, die besten Bogenschützen, Schwertkämpfer und Speerträger, Reiter und Fußvolk. Link hatte jeden Tag mit ihnen trainiert. Die Dörfer des Landes hatten ihre geschicktesten Handwerker entsandt.
Nun stand der Wall in der prallen Mittagssonne, die Steine heiß, erhob sich einige Meter in die Höhe, war fast ebenso dick. In schattigen Nischen hielten sich Soldaten auf, die gerade keine Wache hatten, spielten Karten, aßen, tranken oder ruhten sich einfach aus.
Kleinere Hütten befanden sich teilweise noch im Bau. Sie sollten als Übernachtungsmöglichkeit für die Verteidiger dienen, als Lazarette oder auch als Lagerhäuser.

Link stand oben auf der Mauer, den Blick in die endlose Wüste gerichtet und suchte den Horizont mit dem Falkenauge nach Feinden ab. Es war nichts zu sehen, war zu ruhig für seinen Geschmack und irgendwie beschlich ihn das Gefühl, dass etwas Merkwürdiges vor sich ging. Noch merkwürdiger als seine Erlebnisse vor einigen Wochen in der Festung, die die Bulblins mitten in der Wüste errichtet hatten.
"Siehst du was?" fragte eine der Wachen vom nächsten Turm herab, beugte sich tief durch die Schießscharte.
"Nein, nur Sand", gab Link als Antwort zurück, legte aber das Falkenauge nicht zur Seite und änderte auch nicht die Blickrichtung. Weiterhin geduldig beobachtete er die Wüste. Das Gefühl, dass etwas im Gange war, verließ ihn nicht, wurde eher intensiver, doch es gab keinerlei Anzeichen von Aktivitäten seitens der Bulblins.
Einige kleinere Gruppen hatten versucht, den Bau der Wehrmauer zu verhindern oder zu verzögern, aber sie waren schnell in die Flucht geschlagen worden. Eigentlich hatte der junge Held damit gerechnet, dass sie mit erheblicher Verstärkung wiederkommen würden, um die Mauer zu zerstören, doch es waren keine weiteren der grünen Krieger aufgetaucht. Vielleicht war auch das ein Grund, warum er nun so unruhig war? Es war wie die Ruhe vor dem Sturm.
Auch die anderen hylianischen Krieger schienen zu spüren, dass etwas nicht stimmte. Viele, die eigentlich Pause hatten, blieben auf den Mauern und Türmen, ließen ihre Waffen nicht los und starrten ebenso angestrengt in die sandige Unendlichkeit.
Schließlich legte Link das Falkenauge beiseite, rieb sich die Augen, die schon keinen Unterschied zwischen Sand und restlicher Umgebung mehr wiederzugeben schienen und nahm einen Schluck Wasser aus einer Feldflasche. Das Wasser war unter der prallen Sonne bereits warm geworden, löschte aber dennoch den Durst des jungen Mannes. Er reichte die Flasche an seinen Nachbarn weiter und ließ sie schließlich reihum gehen.
"Seid aufmerksam", ermahnte er die Wache neben sich und machte sich dann auf den Weg zu einer der Leitern, um zum Lagerplatz hinunter zu steigen. Seine eigentliche Schicht war schon seit Stunden um und mittlerweile spürte er die Erschöpfung seines Körpers, den Wunsch nach etwas zu Essen und Schlaf.
Thelma hatte eine der Hütten belegt und eine Kantine eingerichtet, Tische und Bänke standen im Schatten davor, einige Soldaten hatten bereits Platz genommen und warteten auf ihre Mahlzeit.
Der grüngekleidete, junge Mann erreichte die kleine Schänke, nahm an einem freien Tisch Platz und lehnte sich in Gedanken versunken zurück. Was geschah dort draußen? Was planten die Verhüllten und ihr Meister? Wie groß war die Gefahr für Hyrule? War es vielleicht schon zu spät?
"Na Kleiner", begrüßte ihn Thelma auf ihre ganz eigene Art und riss ihn aus seinen Gedanken. "Was kann ich Gutes für dich tun?"
Die kräftige Frau mit der enormen Oberweite zwinkerte ihm zu. Eine gewisse Zweideutigkeit war ihrer Stimme zu entnehmen und Link merkte, wie ihm die Röte ins Gesicht stieg, er kerzengerade dasaß. Schon öfters hatte sie ihm mit diversen Bemerkungen rot anlaufen lassen. Die hylianischen Soldaten konnten mit dieser Art viel besser umgehen, machten mit Thelma ihre Späße und ließen sich nicht aus der Ruhe bringen.
Link war die Situation überaus peinlich, er wünschte sich, er hätte sich endlich unter Kontrolle, schließlich kannten sie sich schon eine Weile und er sollte an ihre etwas andere Art mit Männern umzugehen gewöhnt sein.
"Thelma, bitte", meinte er schließlich verlegen und kassierte dafür sowohl von ihr ein Lächeln als auch von einem der Soldaten am Nachbartisch ein unverschämtes Grinsen.
"Ich bring dir einfach die Spezialität des Hauses, Fischsuppe. Was anderes gibt's heute eh nicht", entschied sie mit sanfter Stimme für ihn. "Und das übliche Glas Milch?" fragte sie noch, bevor sie in der Hütte verschwand ohne seine Antwort abzuwarten.
Link verschränkte die Arme vor der Brust und lehnte sich beleidigt gegen die Wand, ignorierte die Blicke und das Gemurmel vom Tisch nebenan und starrte stumm vor sich her. Wieso musste sie das immer wieder machen? Wieso ärgerte sie ihn so gerne? Ließ er sich so einfach ärgern? Ganz sicher tat sie das mit Absicht.
Einen Moment später war Thelma wieder da, stellte Milch und Suppe ab und zwinkerte ihm wieder zu, bevor sie sich dem nächsten Tisch zuwandte. Sie meinte es nicht böse und Link wusste das, sein Ärger war bereits wieder verflogen.
Die kühle Milch schmeckte besser als das warme, abgestandene Wasser aus der Feldflasche. Der junge Mann stürzte den Inhalt des Bechers in einem Zug hinunter und machte sich dann an die Suppe. Die Zora hatten genug Fische gefangen, die ganze Mannschaft auf der Wehrmauer zu versorgen.
Link hatte gerade die ersten zwei, drei Löffel genommen, da schallte ein Ruf von einem der Türme über den Platz:
"Sandsturm! SANDSTURM!"
Der Löffel fiel in die Schüssel zurück, beim Aufspringen hatte Link sich das Knie an der Tischkante angestoßen und fluchte kurz. Er humpelte einige Schritte bevor er sich wieder gefangen hatte, erreichte eine der Leitern und stieg zurück nach oben auf die Wehrmauer. Sein ungutes Gefühl wurde immer stärker.
Weit hinten am Horizont war tatsächlich eine riesige Staubwolke zu sehen. Wäre dies ein Sandsturm, würden sie die Wehr räumen, hinter ihr Zuflucht suchen müssen.
Link sah zu dem Turm hoch, von dem die Meldung gekommen war. Die beiden Wachen dort oben machten sich bereit, ihren Posten zu verlassen. Der junge Held zog die Stirn kraus, einen Moment war er irritiert, dann fiel es ihm auf.
"Idioten!" fluchte er laut genug, dass die Wächter neben ihm es mitbekommen hatten und sich ihm zuwandten. Mit einer Hand zeigte er auf die Fahne, die oben auf dem Turm wehte.
"Das ist kein Sturm!" rief er hinauf. Der Wind blies eindeutig in die falsche Richtung. Die beiden Soldaten drehten sich um, sahen selber zur Fahne hinauf und erkannten, was Link meinte.
"ALARM!" kam neues Geschrei von oben und einer der beiden betätigte die kleine Glocke, die auf jedem Turm für einen solchen Fall vorhanden war.
Innerhalb weniger Sekunden war die Warnung über den ganzen Platz gehallt, würde ins Tal weitergegeben.
Link hatte wieder das Falkenauge hervorgeholt. Er starrte auf die ferne Staubwolke. Einen Moment später konnte er die ersten einzelnen Punkte darin ausmachen. Reiter.


Kapitel 2

"ALLES AUF DIE MAUER!" rief der Kommandant der hylianischen Soldaten und wenige Augenblicke später war jeder Platz besetzt, an jeder Schießscharte stand ein Bogenschütze, Speerträger oder Schwertkämpfer und starrte auf die angreifende Horde.
Duzende weitere Soldaten standen auf dem Platz unten, bereit nachzurücken, sollte einer ihrer Kameraden fallen. Geduldig warteten sie, dass der Kampf begann und sie gebraucht wurden. Mittlerweile waren nicht mehr nur einzelne Reiter zu erkennen, die Staubwolke hatte sich aufgelöst und zeigte nun die ganze Kampfkraft des Gegners. Hunderte wilde grüne Krieger kamen über die letzten Dünen vor der Mauer angerannt, ihnen voraus mehrere Duzend Reiter auf den gefährlichen Wildschweinen.
Link brauchte schon lange kein Falkenauge mehr, um die anstürmende Masse zu beobachten. Einer von ihnen hatte seine Aufmerksamkeit erregt und der junge Mann ließ seinen Blick nicht von ihm schweifen: König Bulblin, der Anführer der Horde.
Inmitten seiner Reiterei raste er mit seinem blauen Eber auf das hylianische Lager zu. Auch er schien seinen alten Feind auf der Mauer bereits entdeckt zu haben, brüllte laut über das Geschrei seiner Kämpfer hinweg, forderte Link heraus.
Die Hylianer und ihre Verbündeten blieben ruhig, warteten auf der Wehr auf die erste Angriffswelle, die trotz der offensichtlich gefährlichen Barriere aus Speeren weiter in vollem Galopp auf ihr Ziel zuhielt. Erst als die ersten Wildweine zu Boden gingen, ihre Reiter unter sich begruben, wurde das Tempo verlangsamt und die Taktik geändert. Schwert- und Axtkämpfer stürmten an die Spitze, schlugen die dicken Speere entzwei.
Hyrules Bogenschützen ließen Pfeile auf sie niederprasseln, Link beteiligte sich, schoss einen Pfeil nach dem anderen auf die angreifenden Bulblins.
Als die größere Menge an Speeren entfernt war, stürmten auch die anderen Bulblins wieder vor, gerieten in den Pfeilregen, den sie aber weitestgehend ignorierten. Reitschweine stießen in vollem Galopp gegen das Mauerwerk, ließen es erzittern.
Einige der Angreifer versuchten durch das Tor einzudringen, endeten dann aber in dem endlos tiefen Graben, als die Verteidiger die Brücke darunter zerstörten. Die Bulblins, die irgendwo Halt gefunden hatten, fielen den Bogenschützen jenseits der Mauer zum Opfer und ihre Leichen folgten ihren Kameraden in die Tiefe.
Einige Meter neben Link fiel einer der Soldaten von einem gegnerischen Pfeil getroffen vornüber die Mauer hinab. Sein Leichnam blieb ruhig unten im Sand liegen. Man würde sich später um die Gefallenen kümmern, wenn es denn ein Später gab, jetzt wurde die Lücke in der Verteidigung sofort von einem der Soldaten aus den hinteren Reihen wieder geschlossen.
Ebenso schnell wurden die Verletzten auf den Lagerplatz gebracht und durch neue Kämpfer ersetzt. Unten kümmerten sich Ilya, Betty und einige andere um sie.
König Bulblin ließ einige Kanonen in Stellung bringen, schrie Befehle, die seine grünhäutigen Untertanen sofort ausführten. Link und seine Freunde wunderten sich einen Moment, wie der Feind die metallenen Monster durch die Wüste transportiert haben mochte, hatten aber keine Zeit lange darüber nachzudenken. Schon schlugen die ersten Kugeln in der Mauer und deren näherer Umgebung auf. Die kumulanischen Kanonen antworteten nur Sekunden später. Sand wirbelte auf, wo auch immer eines der Geschosse einschlug.
Ein Schuss des Feindes schlug eine Bresche in das steinerne Bauwerk, kostete etliche Soldaten das Leben und fügte den Verteidigern so erheblichen Schaden zu. Die entsprechende Antwort holte König Bulblin von seinem Eber, kostete das Tier das Leben. Wutentbrannt stürmte der mächtige Krieger auf die Wehrmauer zu, schubste seine eigenen Leute zur Seite und bahnte sich seinen Weg zu dem neu entstandenen Durchgang.
Die Verteidiger versuchten das Loch mit dem noch gelagerten Baumaterial zu verschließen, eine neue Deckung, Verteidigungslinie aufzubauen. Die einstürmenden Bulblins fielen ihren Schwertern und Speeren zum Opfer.
Link hatte König Bulblins Sturz beobachtet, sah, wie der Krieger auf die armen Soldaten an der zerstörten Stelle einschlug und war einen Moment später unter ihnen. Für ihn war es etwas Persönliches. Der mächtige Bulblin gehörte ihm ganz allein, ebenso empfand dieser gegenüber Link.
Vergessen war das Gemetzel rund um sie beide herum, als sie sich gegenüber standen. Link das Schwert in der Hand, der Bulblin eine mächtige Axt schwingend.


Kapitel 3

Wie zur Warnung an den jungen Helden ließ der grüne Krieger die todbringende Waffe über seinem eigenen Kopf kreisen und dann auf dem Boden aufschlagen. Der Aufprall ließ die Erde zittern, donnerte über den Lärm des umgebenden Kampfes hinweg.
Link hob den Schild zur Abwehr vor die Brust und brachte sein Schwert in die entsprechende Position zwischen sich und seinem Gegenüber.
Einige Momente beobachteten sich die beiden Kontrahenten, taxierten einander, prüften den anderen auf Schwachstellen. Muskeln spannten sich unter grüner Haut, ebenso unter der des Hylianers. Die Sinne geschärft, die Umwelt ausgeblendet, standen sie sich gegenüber, um im nächsten Moment aufeinander los zu stürmen.
König Bulblin ließ einen markerschütternden Schrei von sich, holte mit der Axt aus und raste auf den jungen Hylianer zu. Im selben Moment begriff Link, dass er eine solche Attacke nicht abwehren konnte, er musste ihr ausweichen. Auch er stürmte auf seinen Gegner los, wartete den rechten Moment ab und sprang dann zur Seite. Mit voller Geschwindigkeit raste der Bulblin an ihm vorbei, da er seine Geschwindigkeit nicht mehr reduzieren konnte, der Schwung zu groß war.
Schliddernd kam der große Krieger zum Stehen und für seinen Körperbau ungewöhnlich schnell wandte er sich wieder seinem Feind zu, die mächtige Axt voraus drehte er sich.
Link hatte diesen Moment für einen eigenen Angriff nutzen wollen, mit dem Schwert ausgeholt und sich hinter den Bulblin geschoben, doch als er gerade zuschlagen wollte, sah er sich der scharfen Schneide der Axt gegenüber. Erneut hob er den Schild, brachte ihn zwischen sich und die Waffe. Mit lautem Krachen schlug Stahl auf Stahl, die Axt auf den Schild. Auch bei diesem nur halb kontrollierten Schlag war die Wucht so groß, dass Link Probleme hatte, auf den Beinen zu bleiben. Er torkelte einige Schritte zurück.
Ein fieses Grinsen erschien auf dem Gesicht König Bulblins, er fühlte sich offenbar dem jungen Helden weit überlegen. Link nahm das Grinsen zur Kenntnis, beschloss aber sofort, den Feind an ihr letztes Zusammentreffen im Hof von Schloss Hyrule zu erinnern. So einfach wie damals würde es diesmal sicher nicht werden, der Bulblin hatte die Zeit bestimmt genutzt und seine Fähigkeiten trainiert. Doch der junge Hylianer war auch nicht untätig gewesen, hatte mit verschiedenen Gegnern gekämpft und täglich geübt, die okkulten Künste perfektioniert.
Die nächste Attacke der grünen Kreatur ließ nicht lange auf sich warten, die Axt gegen Links Schild gepresst, drückte er den jungen Mann von sich, holte blitzschnell wieder aus und zischend sauste die in der Sonne schimmernde Axt hernieder. Link machte einen Satz zurück, holte ebenfalls mit seiner Waffe aus und traf den Bulblin an der Schulter. Dieser stieß vor Schmerz ein lautes Brüllen aus, einem Jaulen nicht unähnlich.
Mit der freien Hand holte das Monster aus und schlug wild nach dem jungen Helden, der sich im letzten Moment unter dem Hieb der mächtigen Pranke hinweg ducken konnte. Einen Moment später hatte sich der König der Bulblins wieder erholt und die Axt wieder gegen seinen Gegner erhoben. Link schob den Schild erneut zwischen sich und sein Gegenüber und wappnete sich für den nächsten Schlag. Noch hatte er keinen rechten Plan wie er gegen die Kreatur vorgehen sollte. Die Axt war fast ständig in bedrohlicher Nähe und das Schwert des Hylianers konnte wenig gegen die mächtige Waffe ausrichten. Link wusste, wollte er diesen Zweikampf gewinnen, musste er sein Gegenüber austricksen. Viel Zeit ließ ihm der Bulblin nicht, hieb mit der Axt erneut nach seinem Opfer und stieß dabei zornige Grunzlaute aus.
Link wich den Schlägen aus, wehrte die, denen er nicht entgehen konnte, mit dem Schild ab und platzierte gelegentlich selber einen kräftigen Schlag. Aber auch der Bulblin vernachlässigte seine Deckung nicht, war sich seiner überlegenen Stärke bewusst und bereit sie zur Erreichung des Sieges einzusetzen.
Wieder klirrte Stahl auf Stahl, Schlag folgte Schlag, von beiden Kämpfern. Keiner war bereit, dem anderen einen Vorteil zu gewähren. König Bulblin war der körperlich stärkere, aber Link war wesentlich flinker als der große Krieger und glich so wieder aus.
Link keuchte und auch an seinem Gegner war der Kampf nicht spurlos vorbei gegangen, auch der Bulblin atmete schwer. Einen Moment hielten beide inne, starrten einander an. Link blies sich eine blonde Haarsträhne aus dem Gesicht, die einen Augenblick später wieder vor seinen Augen baumelte.
Der grüne Koloss sah seine Chance gekommen, stieß vorwärts, die Axt voraus. Doch Link reagierte prompt. Mit dem Schild lenkte er den Stoß zur Seite ab, drehte sich ein wenig und ließ sein Schwert niedersausen. Die Klinge schnitt tief in das grünliche Fleisch, doch das Blut, das einen Moment später aus der Wunde tropfte, war rot wie das des Hylianers. Ein weiterer Schrei des Bulblins verhieß, dass ihn der Schmerz nur noch wütender machte. Mit vor Zorn blitzenden Augen drehte er sich wieder Link zu, die Axt trotz des tiefen Schnitts im Oberarm erhoben. Offenbar ließ ihn seine Wut den Schmerz vergessen. Er grunzte und zeigte seine wenigen noch vorhandenen, braunen und schiefen Zähne, das Gesicht war verzerrt.
Link hatte sein Gegenüber noch nicht in diesem Zustand gesehen, hielt ihn aber sofort für noch gefährlicher als bisher, sein Instinkt warnte ihn vor dieser Kreatur.
Seine Verletzung ignorierend setzte der Bulblin zum nächsten Angriff an. Durch die Bewegung brach die Wunde erst richtig auf und Blut spritzte daraus hervor, tropfte auf den sandigen Boden und vermischte sich mit dem Sand, trocknete zügig ein. Einen Moment starrte Link wie gebannt auf den klaffenden Schnitt, ein Moment, der ihn beinahe das Leben kostete. Die Axt sauste bereits wieder durch die Luft, hieb Link den Schild aus der Hand und krachte neben seinen Füßen auf den Boden nieder. Der junge Hylianer schallt sich selbst. Wie konnte er sich eine solche Unaufmerksamkeit nur erlauben? Nur die Ungenauigkeit, mit der der Bulblin seinen Schlag ausgeführt hatte, rettete ihm das Leben.
Der Schild war durch die Wucht des Schlages weit von ihm geschleudert worden, lag nun außerhalb seiner Reichweite in einer Sandverwehung.
Links Herz raste noch, der Schock saß ihm in den Gliedern, doch das Adrenalin, das nun wieder vermehrt durch seine Adern schoss, gab ihm weitere Kraft, schärfte die Sinne, ließ ihn ganz im Kampf aufgehen. Der Schildarm schmerzte etwas von dem Schlag, doch auch dies ließ die körpereigene Droge in den Hintergrund treten.
Das Schwert prallte gegen die Axt, die Waffen verkeilten sich ineinander und die Kontrahenten starrten einander an. Nur wenige Zentimeter waren zwischen den Gesichtern der beiden, Link konnte den faulen Atem des Bulblin riechen, ihn auf seinem Gesicht spüren. Er ignorierte die überkeiterregenden Ausdünstungen des Grünen, konzentrierte sich, legte alle Kraft in die Arme und schob den verletzten Feind von sich. Die Waffen lösten sich voneinander, sofort bereit wieder aneinander zu schlagen.
Link war bereit, er spürte die Kraft im ganzen Körper, spannte die Muskeln erneut und wartete auf den nächsten Angriff. Doch all die Konzentration, die neu entfachte Energie war umsonst.
Der Zweikampf wurde jäh unterbrochen, als ein Horn geblasen wurde. Ein tiefer, brummender Ton hallte über das Schlachtfeld. König Bulblin ließ sein Gegenüber nicht aus den Augen, grunzte noch einmal, spuckte blutigen Schleim auf den Boden und zog sich dann nur widerwillig zurück.


Kapitel 4

Link eilte ihm verdutzt und ein wenig enttäuscht einige Schritte nach, trat durch die Bresche in der Mauer und stellte fest, dass auch die anderen Angreifer den Weg in die Wüste antraten. Er hatte gesiegt, aber es befriedigte ihn in keinster Weise. Etwas Seltsames ging hier vor. Wieso zogen sich die Bulblins zurück? Er hatte König Bulblin schon vorher besiegt und dieser hatte die Flucht ergriffen, doch diesmal hatte er das Gefühl gehabt, es hätte die entgültige Entscheidung zwischen den beiden sein sollen. Sein Gegner war so in Rage gewesen, dass er kaum geglaubt hatte, dass er den Kampf so einfach abbrechen könnte. Es war wieder etwas sehr Seltsames im Gang, Links Instinkt ließ ihn nichts Gutes erahnen.
Einige der hylianischen Kämpfer standen ebenso verdutzt auf den Mauer, den Steinen am Durchbruch und vor und hinter dem Bauwerk. Einen Moment später hallte ihr Jubel über die sandige Ebene. Link ließ ihnen diese Illusion eines Sieges, starrte selbst noch einen Moment schweigend in die Wüste und begab sich dann wieder hinter den schützenden Steinwall. Seine Gedanken kreisten immer noch um das seltsame Verhalten der Bulblins.
Thelma, Betty, Ilya und einige andere kümmerten sich bereits um die Verletzten. Einige Goronen hatten sich schon daran gemacht, die Trümmer zu entfernen und wer sonst noch vom Kampf nicht zu geschafft war, holte Baumaterial. Wenn alle mit anpackten, würde die Wehr bald wieder repariert sein.
Link sah nach den Verwundeten, die Verluste hielten sich in Grenzen. Durchbrochen worden war nur die erste Verteidigungslinie, die die Völker Hyrules gegen die Bedrohung aus der Wüste errichtet hatten.
Nach der großen Mauer hatten die Zora den Hylia See als nächstes Hindernis für den Feind vorbereitet. Wasserminen sorgen dafür, dass er nicht passierbar war, der schmale Weg, der zur Wehr hinaufführte war von den Goronen so konstruiert, dass er durch kleinere Sprengungen zum Einsturz gebracht werden konnte.
Sollten all diese Vorsichtsmaßnahmen nicht greifen, der Feind alle Verteidigungslinien überwinden, so bleibt als letzte Rückzugsmöglichkeit noch die Stadt Hyrule. Die Wachen waren verstärkt worden, die Brücken ebenfalls vermint. Die Stadt war auf eine Belagerung vorbereitet.
Link hoffte, dass sie diese letzte Möglichkeit nicht brauchen würden, dass ihre Maßnahmen hier reichen würden, den Feind in die Wüste zurück zu schicken. Betrübt und immer noch mit dem mulmigen Gefühl in Magen schloss sich der junge Hylianer den Kameraden an, half das Bollwerk wieder zu errichten. Trotz der Ablenkung durch die Arbeit ließen ihn die Gedanken an den vergangenen Kampf nicht in Ruhe.

Als die Mauer wieder stand, ließ sich Link auf der Bank vor Thelmas Kantine nieder, auf der er schon zuvor gesessen hatte.
Trotz der zu später Stunde immer noch unbarmherzigen Sonne hatten die Zora-Krieger die Wache auf dem Bauwerk übernommen, schützten sich so gut es ging vor der trockenen, lebensfeindlichen Umgebung. Die von der Schlacht geschwächten Verteidiger konnten sich durch das Opfer der edlen Zora erholen, neue Kräfte sammeln, die kleineren Wunden versorgen.
Link bewunderte die schuppigen Krieger für ihre selbstlose Tat. Ihr Revier, ihr Element war das Wasser, weshalb sie die Verteidigungslinie im See kontrollierten, doch ihr Hauptmann hatte erkannt, dass die erste Linie geschwächt war und sie durch seine Leute wieder schließen lassen. Der junge Mann hoffte, dass die Zora nicht hier oben in einen Kampf verwickelt werden würden.
Thelma kam mit noch blutigen Händen von einer der anderen Hütten zu ihm herüber, tauchte sie betrübt in ein Fass voll Wasser neben ihrer Kantine und wusch sie dort, befreite sie vom Blut der Verwundeten, Gefallenen.
Link hatte sich wieder an die Bretterwand gelehnt, hatte die Augen geschlossen und versuchte, einen Moment Ruhe zu finden. Thelma ließ sich ihn gegenüber nieder, schob ihm einen Becher Milch über den einfachen Holztisch und riss ihn damit aus seinen Gedanken.
"Danke", murmelte er ihr entgegen, nahm den Becher und besah sich das Getränk darin. Unberührt stellte er es wieder zurück.
Thelma saß ihm immer noch gegenüber, den Kopf auf die Hände gestützt und stumm auf den jungen Mann starrend. Der junge Held gefiel ihr immer noch. Er war etwas zu jung, aber trotzdem fand sie Gefallen an ihm. Wie glücklich sich doch die junge Prinzessin schätzen konnte. Die ältere Frau wusste genau, dass die beiden jungen Leute ihre Herzen aneinander verloren hatten.
"Du solltest dich auch ausruhen", meinte Thelma schließlich und nickte in Richtung der Schlafräume.
Bedächtig schüttelte Link den Kopf.
"Nein, ich kann nicht. Es ist...", er hielt einen Moment inne, die richtigen Worte fand er einfach nicht, um sein ungutes Gefühl zu begründen. Schließlich zuckte er nur mit den Schultern.
"Komm schon, Kleiner", versuchte die Frau ihn aufzumuntern, zwinkerte ihm zu. "Ein bisschen Ruhe schadet nicht. Wenn irgendwas passiert, wirst du er erste sein, der es erfährt. Dafür sorge ich schon."
Link blickte sie einen Moment an, schüttelte dann aber wieder den Kopf. Er wusste, sie meinte es gut.
"Doch", entschied die kräftige Frau und sprang von der Bank, griff Link am Arm und zerrte ihn in die Hütte. Im Hinterzimmer hatte sie ein Bett aufgestellt.
Der junge Mann konnte gar nicht schnell genug reagieren, sein Arm befand sich im festen Griff von Thelma und sie führte ihn zu dem Bett. Beim Anblick des Bettes wurde Link bewusst, wie erschöpft er war.
"Schon gut", gab er sich geschlagen.
Thelma ließ ihn los und nickte zufrieden, dann verließ sie den Raum.
Link ließ sich so wie er war auf das Lager sinken und fiel sofort in einen tiefen aber unruhigen Schlaf.


Kapitel 5

Link schreckte hoch, sah sich einen Moment verwirrt um, bevor ihm einfiel wo er war. Beruhigt ließ er sich in die Kissen zurückfallen. Wieso war er so plötzlich erwacht? Ein Traum? Er konnte sich schon nicht mehr daran erinnern, wusste aber, dass es sich um einen Albtraum gehandelt hatte.
Noch immer müde wälzte sich der junge Mann aus dem Bett, richtete seine Kleidung und trat in die Stube. Seine Haare waren noch zerzaust und lugten unter der grünen Mütze hervor.
"Gut geschlafen?" fragte Thelma, die damit beschäftigt war, die Reste vom Abendessen der Soldaten zu entsorgen und das Geschirr zu spülen.
"Ja, danke", antwortete Link und strich sich verlegen die Haare zurecht.
"Komm, setz dich und iss."
Er tat wie geheißen und die ältere Frau servierte ihm von der Suppe, die sie für diesen Tag vorbereitet hatte. Es war die Suppe, die Link schon zum Mittagessen hatte zu sich nehmen wollen.
"Guck nicht so", meinte Thelma, die seinen etwas missmutigen Blick auf die Mahlzeit gesehen hatte. "Hier oben ist eben nicht meine Bar in Hyrule. Gegessen wird, was auf den Tisch kommt." Sie duldete keinen Widerspruch.
Gehorsam löffelte Link die Suppe und beobachtete Thelma beim Abwasch.
Einige Kerzen erleuchteten den kargen Raum, durch ein Fenster fiel fahles Mondlicht. Draußen war alles ruhig.
"Ich dreh meine Runde", sagte Link und schob sich zur Tür hinaus. Das zustimmende Nicken der Frau nahm er nicht mehr wahr.
Die Nacht war angenehm kühl, frischer Wind vertrieb die drückende Hitze des Tages und ließ den jungen Helden gelegentlich frösteln. Die Zora-Wachen waren zum See zurückgekehrt, die Hylianer und Goronen hatten die Posten auf der Mauer und den Türmen wieder besetzt.
Link winkte den Wachen auf einem der Türme zu, ein müdes aber zufriedenes Winken war die Antwort. Scheinbar war alles ruhig dort draußen.
Der junge Hylianer ließ die Wachen auf ihren Posten zurück, ging zum Rand des Plateaus und blickte hinab in die Tiefe. Ruhig und friedlich lag der Hylia See dort. Die winzigen Lichter der Sterne spiegelten sich auf der glatten Oberfläche, ebenso das volle Rund des Mondes weit oben am Firmament. Wie friedlich doch alles wieder war. So kurz nach dem Kampf schien das Land, als habe der Angriff nie stattgefunden.
In weiter Ferne lag das Schloss, trotz der Dunkelheit hatte Link das Gefühl, er könne die Umrisse sehen. Er dachte an Zelda und in seinem Herzen wurde es warm. In Gedanken versunken ließ er sich an der Klippe nieder, schloss die Augenblick und rief sich das Bild der schönen Frau in Erinnerung. Ihr blondes, langes Haar, glänzend wie exotische Seide, die Haut so hell und zart, die Augen so blau wie die seinen, tief und klar. Er konnte ihre Stimme fast hören, ihr Lachen...
Ein Flackern erregte seine Aufmerksamkeit, ein kleiner, heller Lichtschein, der sich seinen Weg vom See herauf suchte. Wer kam zu so später Stunde? Ein Bote?
Link richtete sich auf, strich den Staub von der Kleidung und verfolgte den noch fernen Fackelschein mit den Augen. Der Besucher hatte es eilig, nahm den Weg mit großer Geschwindigkeit, wahrscheinlich war er zu Pferde unterwegs. Bald würde er das Lager erreicht haben.
Der junge Held eilte dem Reiter, dessen Umrisse nun klar zu erkennen waren, entgegen.
Schnaufend kam das Ross zum Stehen, das Tier schwitzte und war nervös. Offenbar war die Reise sehr anstrengend gewesen. Link hielt das erschöpfte Tier am Zügel, wartete bis der Reiter abgesprungen war.
Auch andere hatten den Neuankömmling bemerkt. Soldaten mit Fackeln kamen hinzu, umkreisten den Boten eilig. Dieser brauchte einen Moment, um zu Atem zu kommen. Er war ebenso erschöpft wie das Pferd, das immer noch nervös auf seinem Gebiss herumkaute. Zwei Soldaten stützten den armen Kerl.
"Was ist los?" wollte eine der Wachen sofort wissen.
"Lass ihn doch erstmal richtig Luft holen", kam es von anderer Seite. Weiteres ging im Gemurmel der Soldaten unter.
Als der Bote sich etwas erholt hatte, schaute er sich kurz in Runde um, erkannte Link und fing an zu erzählen:
"Master Link!" Sein Atem ging immer noch stoß weise, beruhigte sich nur langsam.
"Die Prinzessin... die Prinzessin..."
"Was ist mit ihr?" unterbrach ihn der junge Held ungeduldig, das mulmige Gefühl wurde eindeutig schlimmer.
"Sie kamen ins Schloss! Wir wissen nicht wie, aber es waren so viele!" Hilfesuchend, mit panisch aufgerissenen Augen wandte der Reiter seinen Blick von einem zum anderen. "Wer?" drängte Link und wurde langsam zornig. Es war mühsam diesem Verwirrten jede Information aus der Nase ziehen zu müssen.
"Bulblins! Es müssen mehrere Duzend gewesen sein", fuhr er schließ lich fort. "Sie haben die Wache überrumpelt und die Prinzessin entführt!"
Es war raus. Erschöpft sackte der Bote in sich zusammen.
Link wich jegliche Farbe aus dem Gesicht, um ihn herum ebenso verstörte Ausdrücke in den Gesichtern der Soldaten. Das war es also. Es war wie ein Schlag in die Magengrube. Der Angriff war nur ein Ablenkungsmanöver gewesen, Zelda war das eigentliche Ziel. Link wurde schlecht, Zorn stieg in ihm auf, Verzweifelung machte sich breit, aber er war fest entschlossen, Zelda zu befreien. Es gab nur einen Ort, wo man sie hinbringen könnte: die dunkle Festung.


Kapitel 6

Link zögerte nicht lange. Schwert und Schild hatte er selbst beim Schlafen nicht abgelegt, auch wenn es noch so unbequem sein mochte. Hastig eilte er zu einem der Wildschweine, die, nachdem sie von ihren Herren verlassen worden waren, von den Hylianern aus der Wüste geholt worden waren. Mit einem Satz war er im Sattel, trieb das Tier zu dem Tor in der Wehrmauer und rief zu einem der Türme hinauf:
"Öffnet das Tor!"
Die Wache steckte den Kopf über die Zinnen und gab dann mit einem Signal das Tor frei. Ratternde Ketten zogen das mächtige Holztor auf.
Kaum war der Spalt breit genug, trieb Link das Reitschwein an, hetzte durch das Tor in die nächtliche Wüste hinein.
"Nein! Link warte!" schrie Thelma ihm hinterher, doch er hörte sie bereits nicht mehr. Die ältere Frau lief noch einige Schritte hinter dem Reiter her, doch es hatte keinen Zweck. Link war zu weit weg oder wollte sie einfach nicht hören. Resigniert schüttelte Thelma den Kopf. Was für eine leichtsinnige Aktion! Immer setzte der Junge sein Leben aufs Spiel. Diesmal wohl blind vor Liebe. Schließlich kehrte sie hinter die Tore zurück, die sich geräuschvoll hinter ihr schlossen. Doch so einfach ließ sie sich nicht unterkriegen.
"Hey du!" rief sie zu einem der Soldaten auf dem Platz, stemmte die Hände in die Hüften. Eilig kam der hylianische Soldat herbei.
"Komm mal mit!" befahl Thelma scharf und wandte sich ihrer Hütte zu. Der Soldat folgte ihr ohne Protest. Dieser Dame gehorchte man besser.

Link trieb das grunzende Tier unter sich weiter an. Er kannte den Weg von seiner Flucht aus der Festung, auch damals hatte er eines dieser Tiere benutzt und es fast zu Tode gehetzt.
Sein Ziel fest vor Augen hielt der junge Held auf die Festung zu, er hatte nur einen Gedanken: Zelda.
Vor dem klaren Himmel zeichneten sich die Umrisse der Burg ab. Lichter, Fackeln markierten wie zuvor die Positionen der Wachen. Ansonsten lag das Bauwerk still und dunkel da, wie bei Links erster Ankunft.
Noch vor einer der höhen Dünen ließ er das Wildschwein stehen und setzte seinen Weg zu Fuss fort. Während des Marsches durch die Dunkelheit wurde ihm erst bewusst, dass er keinen Plan zur Hand hatte, keine Idee, wie er seine Prinzessin retten sollte.
Während Link sich dem düsteren Bollwerk näherte, kam ihm der Gedanke, den gleichen Weg wie bei seinem letzten Besuch zu nehmen, um in die Festung einzudringen. Zügig verwarf er die Idee aber als töricht, denn beim letzten Mal hatte es sich um eine Falle gehandelt, war von langer Hand vorbereitet gewesen und mit Absicht war ihm der Zugang so leicht gewährt worden. Sicherlich erwartete man, dass er einen Rettungsversuch unternehmen würde und war auch diesmal entsprechend vorbereitet. Link verfluchte sich für seine eigene Dummheit. Hätte er doch wenigsten Unterstützung mitgenommen oder sich irgendwie vorbereitet, anstatt kopflos drauflos zu stürmen. Doch vorhin, als die Nachricht über Zeldas Entführung eingetroffen war, hatte er daran keinen Gedanken verschwendet, ihm war nur die schöne Prinzessin, seine Prinzessin, durch den Kopf gegangen.
Fast lautlos schlich der junge Held um das Bauwerk, suchte nach einer neuen Möglichkeit hinein zu gelangen, einer Alternative zum Erklimmen der Mauern. Doch von allen Seiten bot sich ihm der gleiche Anblick, glattes, nun kaltes Mauerwerk, dass sich steil nach oben erhob und erst weit über dem jungen Mann in Zinnen und Türmen endete. Fackelschein wanderte oben entlang, verhielt an verschiedenen Punkten und setzte dann seine Patrouille fort. Es gab keinen anderen Weg als den über die Mauer.
Also ließ Link sich an anderer Stelle in den Schatten der Mauer gleiten, verharrte dort und beobachtete den Rhythmus der Wachen. Als ihm der Zeitpunkt passend erschien, aktivierte er den Greifhaken. Wie schon zuvor verhakte sich der Anker am Ende in der Mauer weit oberhalb und Link erklomm die steile Wand.
Diesmal hatte er darauf geachtet, dass der Haken unterhalb der Zinnen festen Halt fand, hielt sich dort einige Momente bis er sicher war, keiner Wache in der Arme zu laufen, und zog sich dann auf den hinter den Zinnen liegenden Wehrgang. Die Dunkelheit verbarg ihn auch dort vor dem verräterischen Mondlicht.
Schnell war der Greifhaken wieder verstaut und der junge Mann bewegte sich in geduckter Haltung durch die Schatten auf das eigentliche Gebäude zu.
An der nächsten Ecke kam ihm der Schein einer Fackel entgegen. Link zog sich weiter in den schützenden Schatten zurück und wartete bis die Wache heran war. Der Krieger, dessen grüne Haut vom Licht der Fackel verfärbt wurde, trabte gemächlich und nichts ahnend an ihm vorbei. Kaum war die Wache auf dem nächsten Teil der Ganges verschwunden, schob Link sich um die Ecke und setzte seinen Weg fort.
Er wusste, dass er hier draußen keine der Kreaturen angreifen durfte. Selbst wenn er den Gegner lautlos niederringen könnte, so würde doch die fehlende Fackel, die fehlende Wache bald auffallen und die ganze Festung wäre alarmiert.
Eine Tür ins Innere war nur noch wenige Schritte entfernt, lockte den jungen Helden, war einfach zu erreichen. Doch Links Nacken kribbelte, sein Instinkt warnte ihn. Das war zu einfach, konnte nicht gut gehen. Geduldig verharrte er im Dunkel einige Meter vor der Tür, hielt Ausschau nach der Wache, die eben an ihm vorbeigegangen war und beobachtete kurz die anderen Wachen. Nichts deutete darauf hin, dass sie Verdacht schöpften, der Rhythmus der Fackeln war der gleiche geblieben, hatte seine Geschwindigkeit nicht verändert und noch war kein warnender Ruf über den Hof geschallt.
Link suchte nach einer Alternative zu der Türe und fand schließlich, einige Meter von der Tür entfernt, ein Fenster, gerade breit genug, dass er sich hindurch quetschen könnte. Ein letzter Blick nach den Wachen zeigte, dass die Zeit knapp wurde. Jetzt oder nie. Lautlos schlich er sich zu dem dunkeln Fenster hinüber, spähte hinein. In einiger Entfernung war die Türe zu erkennen. Zwei Wachen saßen an einem Tisch davor, spielten offenbar Karten.
Vorsichtig öffnete der junge Hylianer das Fenster, schob es auf und wartete wieder. Ein weiterer Blick den Wehrgang hinunter verriet ihm, dass die Wache auf dem Weg hierher war. Die Zeit lief ihm davon. So leise aber auch so schnell wie möglich kletterte Link in das Innere der Festung, schloss das Fenster hinter sich und blieb reglos im nächstbesten Schatten hocken. Einer der Kartenspieler drehte den Kopf, hatte etwas wahrgenommen. Er spähte in den düsteren Korridor, konnte aber keine Bewegung ausmachen. Zufrieden grunzend wandte er sich wieder dem Spiel zu, warf eine Karte und gab ein verdrießliches Schnauben von sich. Er verlor.
Tief im Schatten holte Link wieder Luft. Er hatte schon befürchtet, der grüne Kerl würde herüberkommen, nachsehen, ob ihn seine Wahrnehmung getäuscht hatte. Zum Glück schien ihm der verspielte Sold wichtiger zu sein.
Seine geduckte Haltung beibehaltend entfernte sich der junge Held von den beiden spielenden Wachen, erreichte die nächste Biegung des Korridors und lugte um die Ecke. Der Gang war breiter als der, in dem er sich gerade befand, war von Fackeln beleuchtet und zwei Bulblins auf Patrouille kamen ihn entlang. Link presste sich so flach wie es ihm möglich war an die Wand, versuchte, ganz im Schatten zu verschwinden und hoffte, die Runde der beiden möge geradeaus führen. Wieder hielt er den Atem an.
Die beiden grünen Krieger, einer bewaffnet mit einem Speer, der andere mit einem kurzen Schwert, kamen heran. Direkt an der Kreuzung der beiden Gänge blieben sie stehen, starrten einen Moment in den Gang vor ihnen und drehten sich dann in Links Richtung. Noch hatten sie die Gefahr im Schatten nicht erkannt, aber Link war sich bewusst, dass es nur einen Moment noch dauern würde.
Den Überraschungsmoment für sich nutzend sprang er schnell hervor, griff nach der Lanze des ersten Bulblins, entriss sie ihm und durchbohrte damit seinen Kameraden, der wie versteinert zu ihm herüberstarrte. Ein letztes Schnaufen der Kreatur, dann sank sie zu Boden. So lange wartete Link nicht. Er hatte den Speer bereits losgelassen, das Schwert gezogen und schlug nach dem zweiten grünhäutigen Krieger.
Dieser hatte sich aus der Starre gelöst, die das plötzliche Auftauchen des Hylianers verursacht hatte, zog sein Kurzschwert und griff an. Link parierte den ersten Schlag, holte aus und schlug der Kreatur das Schwert aus der Hand. Klirrend fiel es auf den steinernen Boden, rutschte geräuschvoll einige Meter weiter und blieb dann außer Reichweite der Wache liegen. Aus dem Augenwinkel nahm der junge Held wahr, wie sich die beiden Kartenspieler näherten. Die Geräusche des Kampfes waren durch den Gang gehallt, hatten die beiden Wachen alarmiert. Mit bereiten Waffen, beides Knüppel, kamen sie den Gang entlang. Auf halber Strecke drehte sich einer der beiden um und stieß einen lauten, unmenschlichen Schrei aus. Link verzog das Gesicht. So viel zum Thema unentdeckt bleiben.
Der junge Held begrüßte den ersten der beiden neuen Bulblins mit einem gezielten Hieb mit dem Schwert. Die Kreatur war entweder unvorsichtig gewesen oder hatte in der Düsternis des Korridors einfach die Bewegung nicht richtig ausmachen können. Links Schlag zerteilte die überrumpelte Gestalt in zwei Hälften, bevor sie reagieren konnte. Bulblin Nummer vier hatte inzwischen Verstärkung bekommen. Zwei weiteren Wachen mussten ein Stück weiter gestanden haben, hatten ihren Posten nun verlassen und griffen nun gemeinsam den Eindringling an.
Der nächste Bulblin schwang seine mit Nägeln gespickte Keule über dem Kopf, während er den Gang entlang gerannt kam. Link ging in Abwehrposition, erwartete ihn, ließ dabei die anderen beiden aber nicht aus den Augen. Der Bulblin schlug nach Link, der den Hieb geschickt mit dem Schild aufhielt. Mit einem Ruck des Schilds schubste der den Krieger von sich, brachte ihn aus dem Gleichgewicht und schlug selbst zu. Das Monster taumelte in den Schatten des kleineren Korridors hinein, ein Röcheln in der Dunkelheit verhieß, dass der junge Held getroffen hatte.
Abrupt kamen die beiden letzten Bulblins zum Stehen. Beide waren mit Kurzschwertern bewaffnet, teilten sich nun auf, versuchten Link von zwei Seiten anzugreifen. Mit einer Rolle brachte sich dieser außer Reichweite, war sofort wieder auf den Beinen und griff den nächsten Bulblins an. Schwerter schlugen aneinander, Stahl traf Stahl und ließ den dafür typischen Klang durch den Gang hallen. Der zweite Bulblin mischte sich schnell in das Geschehen ein. Nun hatte Link doch zwei Gegner gleichzeitig, aber er hatte bestimmt, von wo sie angriffen. Der Hylianer hatte genug Training genossen, um mit zwei Angreifern gleichzeitig fertig zu werden. Abwechselnd parierte er die Schläge der beiden oder teilte selber welche aus. Er trieb die beiden an eine Wand, nutzte den Augenblick der Unaufmerksamkeit des einen Monsters, als es an die Wand stieß und sich erschrocken umsah, und entledigte sich seiner mit einem schnellen Stoß in die Magengegend. Die Wunde haltend sank die Kreatur an der Wand hinab und blieb reglos auf dem Boden sitzen.
Link hatte sich bereits vollständig seinem letzten Gegner zugewandt, attackierte ihn mit schwungvollen Schlägen bis die Abwehr des Bulblins geschwächt war und enthauptete ihn dann mit einem gezielten Schlag. Der abgetrennte Kopf rollte noch einige Meter, bevor er vor dem Ständer einer Fackel zum Liegen kam.
Ruhe kehrte in den Korridor ein, keine weiteren Schritte, keine weiteren Wachen waren zu hören. Link starrte noch einen Moment auf den Schädel des Feindes, bis dieser, wie es für die dunklen Kreaturen üblich war, in einer Rauchwolke verschwand. Wenigstens hinterließen die Auseinandersetzungen mit diesen Wesen keine blutigen Spuren und somit weniger quälende Erinnerungen.
Der junge Held schob den Schild wieder auf den Rücken, behielt das Schwert aber in der Hand. Er würde sicher auf weitere Feinde treffen und Gebrauch davon machen müssen.

Tatsächlich hatte Link noch einige kurze Gefechte mit den grünhäutigen Kriegern, die fast in jeder Ecke der Festung Wache schoben. Einige größere Gruppen waren dabei gewesen, offenbar suchte man nach ihm. Daher beeilte sich Link, jeden Schauplatz eines Kampfes so schnell wie möglich zu verlassen, um nicht wie zuvor eingekreist zu werden und in Gefangenschaft zu geraten.
Die Anzahl der Gegner nahm zu, ihre Fähigkeiten wurden immer besser. Link fühlte, dass er sich dem Ziel nähern musste, sein Instinkt für diese Dinge führte ihn richtig.
Den letzten Kampf hatte auch er nicht ganz unbeschadet überstanden. Blut sickerte aus einer kleineren Wunde am Oberarm, färbte die grüne Tunika in ein dunkles Rotbraun. Der Schnitt war nicht tief, aber trotzdem schmerzhaft, unangenehm. Link hatte die Verletzung kurz untersucht, für nicht besonders gefährlich befunden und bemühte sich nun, sie zu ignorieren. Er erreichte den nächsten Korridor, der in einer massiven Holztür endete. Zwei echsenartige Krieger standen davor, jeweils mit Schwert und Schild versehen, und hielten Wache. Als sie Link in den Gang treten sahen, verließen sie ihre Posten, stürzten auf ihn zu. Der Hylianer sprang ihnen entgegen, wehrte den ersten Schlag des ersten Lizalfos ab und hieb auf seinen Schwertarm ein. Das Ungeheuer brüllte auf, Blut lief aus der frischen Wunde, sammelte sich und tropfte dann fast zähflüssig hinab.
Während diese Kreatur mit sich selbst beschäftigt war, wandte sich Link der zweiten zu, ließ ihr aber keine Zeit, den ersten Schlag durchzuführen, sondern duckte sich unter dem Ansatz der Attacke hinweg, rollte hinter die Echse und stach zu. Die Schneide seines Schwertes drang tief in den Rumpf ein, erschreckt ließ das Monster die eigenen Waffen fallen. Tödlich verwundet brach es zusammen, blieb reglos auf den Steinplatten des Bodens liegen. Noch während sich eine Blutlache bildete, verpuffte die gekrümmte Gestalt und damit auch ihr Blut. Link hatte keine Zeit das sterbende Monster zu beobachten, vielmehr wollte er das zweite ebenso zur Hölle schicken.
Von der Wunde im Schwertarm geschwächt, reagierte die echsenartige Gestalt nur langsam. Mit jedem Hieb des Hylianers wurde sie einen Schritt zurückgedrängt, versuchte sich nur mit dem Schild zu schützen. Link hatte keine Gnade mit ihr, Schlag auf Schlag ließ er niedersausen und beendete den Kampf schließlich, indem er dem Lizalfos den Brustkorb aufschlitzte.
Der Weg zur Tür war frei.


Kapitel 7

Einen Moment stand Link unschlüssig vor der Türe. Er fühlte sich an das letzte Mal erinnert, als er hier eine große Holztür durchschritten hatte. Damals war er in die Falle getappt, blindlings. Er schob den Schild auf den Rücken, hielt das Schwert bereit und griff nach der Klinke. Vorsichtig schob er einen Flügel der Tür auf. Knarrend schwang er nach innen. Link trat ein. Ein Saal, gegenüber der Tür hohe Fenster, bunte Scheiben, Bilder, die Szenen eines Krieges darstellten. Ein dicker roter Teppich dämpfte jeden Schritt, Kerzen flackerten im Luftzug, der durch die offene Tür entstand.
Das Herz des jungen Mannes schlug schneller, die Aufregung wuchs. Am Ende des Saals stand sie, seine Prinzessin. Noch schöner als er sie in Erinnerung gehabt hatte, starrte sie zu ihm herüber, hatte, als sie ihn erblickte, die Luft tief eingesogen und hielt sie nun an.
"Link", stieß sie schließlich leise hervor, wäre am liebsten losgestürmt und ihm in die Arme gefallen. Doch sie waren nicht alleine.
Einige Schritte von der Tür entfernt hatte jemand gesessen, in dunklen Umhang und Kapuze gehüllt, hatte er über die Prinzessin gewacht. Bei Erschienen des Helden war er aufgesprungen. Er machte einige Schritte auf den jungen Hylianer zu, hob eine Hand.
"Nein!" entfuhr es ihm und einen Moment später löste sich ein kleiner Feuerball von der erhobenen Handfläche, schoss auf Link zu.
Dieser rollte sich zur Seite. Die flammende Kugel verging ohne Wirkung an der nächsten Wand, hinterließ eine feine Rußschicht auf den glatten Steinen. Sofort war Link wieder auf den Beinen, nahm die Distanz zwischen sich und dem Verhüllten mit zwei, drei großen Schritten. Ängstlich wich der Schwarze nach hinten zurück. Ohne seine Kameraden, ohne die Unterstützung der anderen Schwarzen war er nicht in der Lage, gegen den in Grün gekleideten Krieger vorzugehen.
Link, das Schwert auf Brusthöhe erhoben, kam ihm immer näher. Schließlich plumpste die Gestalt unbeholfen in ihren Sessel zurück, wobei die Kapuze nach hinten rutschte.
Der junge Held stutze einen Moment. Ein Hylianer. Unter dem schwarzen Gewand versteckte sich ein Hylianer. Link hätte ihm auf dem Marktplatz oder sonst wo in Hyrule über den Weg laufen können, er hätte keinen Unterschied zu allen anderen menschlichen Bewohnern des Landes feststellen können. Vielleicht war er ihm auch schon begegnet. Mit vor Schreck geweiteten Augen sah ihn der kahlköpfige Mann an, den Mund zu einem stummen Schrei um Gnade oder Hilfe geöffnet.
Link zögerte nicht länger, trat noch näher und setzte dem Verräter das Schwert an die Kehle und durchtrennte sie mit einen schnellen Schnitt. Nichts anderes war der Hylianer vor ihm, ein Verräter. Er hatte keine Gnade verdient, nicht für die Entführung der Prinzessin, nicht für die Wiederbelebung Ganondorfs und auch nicht für die Qual, sie ihm angetan hatten.
Mit dem eigenen Körper verwehrte er die Sicht auf den Sterbenden, der in dem Sessel zusammengesunken saß. Link wischte das Blut an der Kutte des Feindes ab und zog ihm die Kapuze wieder über das Gesicht. Die Prinzessin brauchte den Toten nicht zu sehen.
Als er sich zu ihr umdrehte, war sie schon fast heran. Nur noch wenige Schritte trennten die beiden Liebenden voneinander. Gerne hätte Link sie einfach in den Arm genommen, ihr Trost gespendet, doch der junge Krieger wusste, dass hier und jetzt nicht der richtige Ort dazu war und auch nicht die richtige Zeit.
Entgeistert starrte die Prinzessin auf den Gestalt im Sesseln, deren Kleidung von Blut feucht wurde, die Farbe des Blutes aber verbarg. Zelda wusste, dass die Kreaturen der Hölle nach ihren Tod, wenn man das Ende so bezeichnen konnte, in die Hölle zurückkehrten. Doch dieser tat das nicht. Fragend sah sie Link an, doch dieser schüttelte nur den Kopf und sie ließ es dabei bewenden.
"Prinzessin, geht es Euch gut?" fragte er stattdessen. Sie nickte, starrte aber weiter auf den Toten, hoffte, er möge sich doch noch in Luft auflösen und damit ihre Befürchtungen zerstreuen. Doch nichts geschah.
Link griff nach ihrer Hand, weich und warm waren die zarten, feingliedrigen Finger. Er hielt sie einen Moment, streichelte mit dem Daumen über die Finger der Prinzessin. Nun hatte er ihre Aufmerksamkeit, sie blickte ihm tief in die Augen, was ihn fast um den Verstand brachte. Am liebsten hätte er sie hier und jetzt in den Arm genommen und nie mehr losgelassen, und er wusste, sie würde es jetzt zulassen. Doch der Verstand gewann.
"Wir müssen gehen", meinte er leise und zog sie sanft in Richtung Tür. Zelda warf einen letzten Blick auf ihren verhüllten Bewacher und folgte Link dann so schnell es ihr Kleid zuließ.

Link eilte mit ihr durch die Gänge der Festung, nahm einen anderen Weg als den, auf dem er gekommen war. Trafen sie auf Wachen, so hielt sich die Prinzessin im Hintergrund, während er sich der Feinde entledigte. War der Weg wieder frei, so zogen die beiden Hylianer hastig weiter. Link wollte keine Zeit verlieren, wollte die Prinzessin von diesem furchtbaren Ort fortbringen, zurück in ihr wunderschönes Hyrule. Dies war kein Ort für so ein schönes, zerbrechliches Geschöpf.
Erstaunlicherweise waren nicht mehr so viele Wachen in den Gängen des Gemäuers unterwegs wie Link befürchtet hatte. Sie stießen nur auf kleinere Patrouillen, die mehr schlecht als recht ihre Posten verteidigten. Der Instinkt des jungen Mannes meldete sich, warnte vor zu unvorsichtigem Vorgehen.
Während sie sich ihren Weg durch die labyrinthartigen Gänge suchten, überlegte Link, wie er die Prinzessin unbeschadet aus dem Bauwerk bringen könnte. Der Weg über die Mauer, klettern am Greifhaken war für sie sicher nicht geeignet. Auch eine lange Reise zu Fuß durch die Wüste wollte er ihr ersparen. Also blieb wieder nur das Haupttor. Wie genau die Flucht vonstatten gehen sollte, würde dich der junge Mann zu gegebener Zeit überlegen. Jetzt hatte er Wichtigeres zu tun.
Wieder stellten sich ihnen einige Wächter in den Weg. Vier Bulblins mit Keulen und Speeren hatten den Zugang zur nächsten Tür versperrt, sahen den beiden Hylianern fast trotzig entgegen. Einer der vier warf der Prinzessin einen viel sagenden Blick zu, der Link nicht verborgen blieb. Zorn stieg in ihm auf. Wie konnte es diese Kreatur nur wagen.
Er ließ die Hand der Prinzessin los, packte das Schwert mit beiden Händen und stürmte wütend auf die Gruppe los. Sein erstes Opfer war von vorneherein festgelegt. Der grüne Kerl mit dem gierigen Blick hob seine Keule, versuchte die Attacke abzuwehren, doch der Wucht mit der der Hylianer angriff, war er nicht gewachsen. Zuerst zerschlug Link die Keule, dann den Kopf der Kreatur.
Die anderen drei schlugen und stießen mit ihren Waffen nach dem Helden, welcher sich aber nicht beeindrucken ließ, seine Geschwindigkeit und Wucht nicht bremste. Der erste Speer fiel klirrend zu Boden, eine grüne Klaue klammerte sich noch daran, zuckte ohne den Rest vom Arm noch einige Momente. Der Bulblin schrie laut auf, hielt sich den Armstumpf und rannte schließlich davon. Link beachtete ihn nicht weiter.
Den anderen zwei Kriegern erging es nicht viel besser. Mit der Wirbelattacke erwischte Link beide zugleich, bevor sie sich wieder fassen, gegen ihren Feind vorgehen konnten. Der Schlag durchtrennte einer Kreatur den Oberkörper, der anderen fehlte die Schädeldecke. Schwer atmend erwachte Link aus seinem Wahn, wie ein Verrückter war er unter die Bulblins gefahren.
Prinzessin Zelda stand einige Meter von dem Geschehen entfernt, starrte nur den jungen Hylianer an, wunderte sich über seine in ihren Augen entsetzliche Reaktion. Was war nur in ihn gefahren? Sie hatte ihn noch nie so außer sich erlebt. Alle anderen Kämpfe während ihrer Flucht waren auch brutal und gefährlich gewesen, aber nie in diesem Maße.
Link sah sie an, bemerkte den entsetzen Ausdruck in ihrem Gesicht und wurde sich erst jetzt bewusst, wie sehr er sich hatte gehen lassen. Er bereute den Ausbruch, bereute, dass er seine geliebte Prinzessin so geschockt hatte. Langsam ging er auf sie zu, hielt ihr eine Hand entgegen und lächelte verlegen. Ebenso langsam fasste sich die junge Frau wieder, merkte, was in ihrem Helden vor sich ging und fasste wieder Vertrauen. Sie ließ sich wieder bei der Hand nehmen, sich durch die nächsten Gänge der feindlichen Festung führen.
Sie brauchten noch eine Weile bis sie das Erdgeschoss erreicht hatten. Auch hier trafen sie nur auf recht wenige Wachen, die Link schnell und gekonnt aus dem Weg räumte. Der nächste Gang war wieder nur schwach beleuchtet, düster, und führte sie bis zu einer weiteren Holztür. Sie war recht klein und unscheinbar, führte offenbar nur in einen Nebengang oder eine Kammer. Da keine weiteren Türen von dem Korridor abgingen, mussten sie es trotzdem hier versuchen oder umdrehen. Wieder ließ Link Zeldas Hand los. Er lauschte einen Moment an dem alten Holz, versuchte Geräusche und damit Feinde hinter der Tür auszumachen. Nichts.
Entschlossen, den Weg in die Freiheit fortzusetzen, schob der junge Held die Tür auf. Ein leichter Widerstand zeigte, dass sich dahinter etwas befand. Ein kurzer Blick und Link wusste, dass sich der Ausgang hinter einem Wandteppich befand, der beim Öffnen gegen die Tür drückte.
Der Hylianer ergriff wieder die Hand der Prinzessin und zog sie hinter sich durch die Öffnung. Beide standen nun hinter dem Wandteppich, suchten sich ihren Weg hinter dem dekorativen Stück hervor.
Link stockte der Atem. Er erkannte den Raum. Rund mit Säulen, die die gewölbte Decke stützten. Links von ihm und der Prinzessin stand noch immer der steinerne Sarg, der Deckel fehlte. Leer. Daneben, in der Mitte des Raumes befand sich der Altar. Das Herz des jungen Mannes raste, ein Kloß bildete sich in seinem Hals und Unbehagen ließ ihn fast frösteln.
Die Prinzessin merkte, dass Link diesen Raum mit schlechten Erinnerungen verband, trat zu ihm heran. sie drückte die Hand, die sie immer noch hielt etwas fester, mit der anderen strich sie ihm über das blasse Gesicht. Sie ahnte, was hier geschehen war, obwohl er nicht alles über seine Gefangenschaft in der Festung erzählt hatte.
Link wandte ihr den Kopf zu, riss sich von dem unheimlichen Anblick los und schaute ihr tief in die Augen. Er fand Bedauern und Mitleid. Dankbar nahm er sie doch noch einen Moment in die Arme, ließ dabei das Schwert aber nicht los.


Kapitel 8

"Wie herzergreifend!" kam verhöhnend eine dunkle Stimme von der anderen Seite des Raumes.
Zelda zuckte zusammen, ließ Link abrupt los. Sie trat einige Schritte zurück.
Link wirbelte herum, das Schwert voran. Er hatte zwar geahnt, dass sie noch auf ihn treffen würde, doch der Gedanke daran war etwas ganz anderes als das wirkliche Gegenüberstehen. Ganondorf.
Nur einige Augenblicke hatten die beiden Liebenden miteinander verbracht, einander gehalten und Trost gespendet. Nur wenige Momente der Zweisamkeit waren es gewesen. So jäh wurden sie wieder auseinander gerissen.
Ganondorf stand jenseits des Altars, hatte den Raum wohl durch eine weitere versteckte Tür betreten und die beiden einen Moment beobachtet. Ihr Entsetzen bereitete ihm Freude, die er durch ein triumphierendes Lachen kund tat.
Prinzessin Zelda hatte Gänsehaut, wollte nur so schnell wie möglich von hier fort, fliehen so weit weg es eben ging, doch sie wusste, dass ihr Wunsch nicht so einfach zu erfüllen war. Er würde sie aufhalten, töten, wenn er konnte, oder schlimmeres. Link stellte sich schützend vor sie. Er hielt Schild und Schwert bereit, beobachtete sein Gegenüber.
Ganondorf lachte erneut, zog sein Schwert und schritt gemächlich um den Steinaltar herum. Er hatte nicht mehr das weiß leuchtende Schwert von damals dabei, diese Klinge hier war wesentlich größer, massiver und wirkte wie zum Schlachtfest bereit.
Link kam ihm entgegen. Er wollte den Kampf möglichst weit weg von seiner Prinzessin halten. Ihr durfte nichts geschehen, er würde sich das nie verzeihen. Zelda hatte sich weiter zurückgezogen, ihr Herz schlug ihr fast bis zum Hals. Ihre Angst wollte sie sich nicht anmerken lassen. Still beobachtete sie die beiden Kontrahenten, hoffte auf Links Sieg und wusste zugleich, dass dieser nicht einfach zu erringen sein würde.
Die beiden Kämpfer standen einander nun gegenüber, kein Hindernis war zwischen ihnen, trennte sie voneinander. Schweigen herrschte, wie die Ruhe vor dem Sturm. Die Gegner taxierten einander, suchten nach dem eigenen Vorteil.
Ohne Vorwarnung sprang Ganondorf vorwärts, das Schwert zischte durch die Luft, suchte nach seinem Ziel, Links Körper. Der junge Mann duckte sich im letzten Moment unter dem Schlag weg, stellte betroffen fest, dass die mächtige Klinge ihn nur knapp verfehlt hatte und mahnte sich zu mehr Vorsicht und Aufmerksamkeit.
Der dunkle Herrscher lachte wieder, verhöhnte den jungen Helden damit, wollte ihn reizen. Er war sich sicher, diesmal der Überlegene zu sein. Er würde diesen kleinen Wicht, der es wagte, sich ihm entgegen zu stellen, in seine Schranken weisen, ihn vernichten und sich an seiner Qual erfreuen. Die Prinzessin würde ihm gehören und dazu das ganze Reich Hyrule, so wie es sein Schicksal für ihn vorherbestimmt hatte. Ein fieses Lächeln huschte über das Gesicht des ehemaligen Gerudo-Königs, als er kurz seinen Blick über den Körper der Prinzessin wandern ließ.
Auch wenn Link der Hintergrund der Ablenkung gar nicht behagte, so nutze er sie trotzdem für seinen ersten Angriff. Er war zu langsam, seine Klinke schlug auf die des Gegners. Sofort zog er den Schild vor sich, nahm das Schwert zurück und versuchte eine neue Attacke. Wieder wehrte der Gerudo den Schlag ab, er schubste den junge Hylianer zurück und ließ wieder ein fieses Lachen hören. Sein Gegner gab sich Mühe, doch ernst nahm er ihn nicht. Er wusste, dass der junge Mann ihm gefährlich werden könnte, die Erinnerung an den letzten Kampf war noch nicht verblasst. Trotzdem war er von seinem Können und seiner Kraft so überzeugt, dass er seinen Gegner nur als kleines Hindernis ansah, ein Insekt, das man mit dem Finger zerquetschte.
Wieder schlugen Schwert auf Schwert, als sich die beiden Feinde aufeinander stürzten. Schlag folgte auf Schlag, das Klirren der Waffen erfüllte den Raum. Beide Kämpfer keuchten bereits, der Waffengang schien sich ewig hinzuziehen. Die Prinzessin stand weiterhin stumm fern der Kämpfenden, beobachtete das Geschehen und bangte um ihren Helden.
Link setzte die okkulten Künste ein, doch sein Gegenüber blieb davon unbeeindruckt, alle Mühe schien umsonst. Fast ratlos hielt Link einen Moment inne, holte erschöpft Luft und starrte zu seinem Feind hinüber, der ihm ein gemeines Grinsen zuwarf. Es erschien, als würde der Kampf dem größeren Mann nicht halb so viel zusetzen, wie dem jungen Hylianer. Sein Atem ging schneller, doch mehr ließ sich nicht erkennen.
Der junge Held schnaufte, sprang dann ohne Vorwarnung auf seinen Feind zu, stieß mit dem Schwert nach ihn. Ganondorf wich der Klinge seines Gegners aus, ließ ihn an sich vorbeistürzen und schwang sein Schwert nach ihm. Link nutzte den Schwung seiner misslungenen Attacke, entging dem Schlag und landete auf dem Altarstein. Sofort wandte er sich seinem gefährlichen Feind zu, hob den Schild zur Deckung.
Ganondorf hob sein Schwert weit über den Kopf und ließ es mit voller Wucht auf den jungen Krieger zurasen. Link machte einen Rückwärtssalto, verließ den Altar, der einen Moment später unter der Kraft des Schlages zerbrach. Einen so mächtigen Schlag hatte er nicht erwartet, musste zugeben, dass er beeindruckt war. Auch der Gerudo-König war von der Wucht überrascht, zog die große Waffe aus den Trümmern und setzte zum nächsten Stoß an.
Link wehrte ihn mit dem Schild ab, lief um die Reste des Altars herum und war wieder bereit zum Kampf. Ganondorf ließ ihm sein Schwert folgen, einen bogenförmigen Weg durch die Luft beschreiben, erwischte ihn aber nicht mehr. Stattdessen warf er einen der Fackelständer um, die alle paar Meter an den Wänden standen. Scheppernd fiel der metallene Gegenstand um, verteilte die Glut der Fackel im näheren Umkreis und setzte einen der Wandteppiche in Brand. Gierig fraßen sich die Flammen in das alte Gewebe.
"Link!" schrie die Prinzessin kurz auf, bereute es aber bald wieder, denn der junge Mann, der ihr sofort einen Blick zu warf, entging nur knapp dem nächsten Hieb seines Gegners. Er hatte keine Zeit für sie, konnte ihr jetzt nicht zuhören. Was auch immer sie ihm mitteilen wollte, musste warten.
Ganondorf ließ seinem Gegenüber keine Pause, schlug nach ihm, ließ ihn durch die ganze Halle tanzen. Der Hylianer kam kaum dazu, selbst einen Schlag anzubringen. Das Gefühl der Überlegenheit wuchs in dem Gerudo-Krieger, ließ ihn nun wirklich überheblich werden.
"Du hast keine Chance!" warf er dem jungen Mann entgegen, lachte und fügte dann hinzu, "Hyrule wird mir gehören, das Triforce wird mein sein und deine kleine Prinzessin ebenso." Ein gieriges Leuchten ging durch seine Augen.
Link schluckte. Im Moment fühlte er sich tatsächlich etwas unterlegen, wusste nicht, wie diesem Feind beizukommen war. Alles, was er bei den vergangenen Kämpfen erlernt hatte, was bei ihrem letzten Zusammentreffen noch gut einzusetzen war, erschien nun wirkungslos.
"LINK!" rief die Prinzessin wieder, diesmal lauter und nachdringlicher.
Nachdem er etwas Distanz zwischen sich und Ganondorf gebracht hatte, wandte er sich ihr zu. Erst jetzt fiel ihm auf, dass der halbe Raum in Flammen stand, die Teppiche, Bilder, einfach alles, was brennbar war, wurde Opfer des Feuers. Auch wurde ihm bewusst, dass seine Lungen vom Einatmen des Rauches brannten, die Augen tränten. Auch Zelda litt bereits unter den Auswirkungen des Feuers, hustete vom Rauch. Er musste sie schnell hier raus bringen.
"Arrrghhh!"
Mit diesem Schrei ließ der Gerudo die mächtige Klinge wieder gegen seinen Feind niedersausen. Link parierte den Schlag mit dem eigenen Schwert, nahm alle Kraft und warf seinen Gegner zurück. Dieser taumelte einen Moment.
Link sprang zur Prinzessin hinüber, griff nach ihrem Arm und schob sie recht grob zur großen Türe hinüber. Ein Blick auf seinen Gegner zeigte, dass auch dieser sich der Gefahr durch das Feuer bewusst geworden war. In diesem Moment wunderte sich Link nicht mal, dass der Gerudo, der nun mal ein Dämon war, sich vor dem Feuer zu fürchten schien.
Der Hylianer öffnete die Tür, ließ die Prinzessin in den Gang dahinter treten, folgte ihr und verschloss den Raum hinter sich. Einen weiteren Gedanken an seinen Feind jenseits der Holztür verschwendete er nicht. Hastig griff er nach der Hand der Prinzessin, zog sie den Gang entlang, wieder auf der Suche nach einem Ausgang. Die Tür blieb zu, Ganondorf verfolgte sie nicht.
Offenbar hatte das Feuer schon auf andere Räume übergreifen können. Jedenfalls quoll Rauch unter weiteren Türen hervor, Bulblins und andere Kreaturen stürzten heraus, versuchten den Flammen zu entgehen. Sie beachteten die Flüchtlinge nicht, ihre eigene Existenz war in diesem Augenblick wichtiger.
Da die Monster wissen mussten, wo der Ausgang war, folgte Link ihnen, die Prinzessin weiterhin an der Hand führend.
Bald war vor ihnen ein großes Portal, der Haupteingang zu den Gebäuden innerhalb der hohen Mauern. Es stand weit offen, gab den Weg frei in den Hof. Lärm war von draußen zu hören, Link kam es so vor, als wäre es Kampfgeschrei und das Klirren von Waffen.
Eilig zog er Zelda auf den Hof hinaus, brachte sie aus der unmittelbaren Gefahrenzone. Ein Lächeln ging ihm über das Gesicht, Erleichterung machte sich breit. Thelma, schoss es ihm durch den Kopf.
Es waren Tatsächlich die Geräusche eines Kampfes gewesen. Auf den Mauern, am Tor, fast überall waren Gegner miteinander beschäftigt.
Hylianer und Goronen stürmten auf die Festung ein. Die Verteidiger, eingekeilt zwischen Flammen und Angreifern, reagierten unkoordiniert. Mal hier, mal da stellte sich einer zum Kampf, doch die meisten ergriffen in Panik die Flucht in die Wüste. Ihre Anführer konnten sie nicht mehr kontrollieren, zogen sich bald ebenso zurück und überließen das brennende Bollwerk dem Feind.
Link beschützte die Prinzessin bis der Hof fest in der Hand der hylianischen Truppen war. Einige Bulblins hatten auf ihren Rückzug versucht, den jungen Mann und seine Begleiterin anzugreifen, aber es blieb nur bei dem Versuch. Links Schwert tat seinen Dienst und erschlug die Kreaturen, die nicht die Flucht ergriffen.
Schließlich nahm das Geschrei ab, der Waffenlärm wurde leiser und die Lage beruhigte sich. Prinzessin Zelda, die sich die ganze Zeit hinter Link gehalten hatte, geschützt von ihrem Helden im Hof abgewartet hatte, war erleichtert. Es war vorbei.


Kapitel 9

Es war schon einige Stunden her, dass Zelda und Link in den Palast mitten in Hyrule Stadt gekommen waren. Beide hatten sich von den Strapazen etwas erholt.
Die Wache, die bei ihrer Entführung Dienst gehabt hatte, hatte sich bei der Prinzessin entschuldig und war freiwillig aus der Palastwache ausgeschieden. Zutiefst betrübt und sich Vorwürfe machend war der Mann in sein Dorf zurückgekehrt. Seine Kameraden taten es ihm gleich. Ihre Ehre war verletzt worden.
Obwohl sie es nicht gerne sah, dass gute Männer ihren Dienst quittierten, wusste Zelda doch, dass sie die Gruppe nicht würde halten können. Andere Soldaten in ihren Diensten würden den Vorfall nicht so schnell vergessen und die Männer immer wieder mit ihrer Schande konfrontieren.
Die Prinzessin, frisch gebadet, neu eingekleidet und zurecht gemacht, stand auf einem der großen Balkone, die einen herrlichen Blick über die Stadt boten, stützte sich auf die Balustrade und ließ ihre Gedanken schweifen.
Leise trat Link zu ihr auf den Balkon hinaus, auch er hatte sich vom Staub der Wüste und Schweiß des Kampfes befreit, war nun bereit zum Aufbruch. Die junge Frau bedauerte, dass er nicht länger bleiben konnte, bei ihr. Seine Nähe tat ihr gut, erfüllte sie mit einem Gefühl von Sicherheit, dass nach der Entführung so dringend gestärkt werden musste. Jede dunkle Ecke im Schloss erfüllte sie mit Angst, verhieß ihr ein weiteres Mal einen Schlag des Schicksals.
Er würde zur Wehr zurückkehren, denn noch war nicht alles vorbei.
Sie spürte seine Nähe, seine Wärme, als er neben sie trat, seine Hand wie selbstverständlich auf die ihre legte. Jeder andere hätte von ihr die entsprechende Zurechtweisung zu hören bekommen, doch jetzt, bei ihm, machte sie eine Ausnahme. Sie genoss den Augenblick, Ruhe und Zweisamkeit, Wärme im Herzen.
"Prinzessin?" fragte der junge Mann schließlich und unterbrach das wohltuende Schweigen, das auf ewig hätte wehren können, ging es nach dem Willen von Prinzessin Zelda.
Sie wandte sich ihm zu, senkte verlegen die Lider und ihre glockenhelle Stimme trug die Worte zu ihm herüber:
"Du gehst schon?"
Link nickte. Er fand nicht die rechten Worte, sich von der Frau, die er liebte zu verabschieden, streichelte ihr stattdessen sanft über die Wange und ließ sie zurück.
Mit dem Funkeln einer Träne im Auge drehte sich Zelda herum, sah ihm einen Augenblick nach. Sie wusste, dass er seine Aufgabe noch nicht erfüllt hatte.
Stumm, mit schwerem Herzen, wandte sie den Blick ab, starrte in die Ferne. Weit hinten am Horizont stiegen die letzten, zarten Rauchschwaden hinauf zum Himmel, verkündeten das endgültige Ende der dunklen Festung. Doch der Kampf war sicherlich noch nicht vorbei, alle waren sich dieser Tatsache bewusst, fürchteten die Zukunft.
Irgendwo dort draußen waren sie noch, die restlichen Verhüllten. Link und sie waren sich sicher, dass nicht alle ihr Ende in den Flammen gefunden hatten.
Außerdem war auch er noch dort: Ganondorf.