Kapitel 1
Nacht. Kälte kroch über den sandigen Boden der Wüste, leichter Wind ließ die staubartigen Körner tanzen, trieb sie den Reisenden in die Augen und unter die Kleidung. Auch des Nachts war die Gerudo-Wüste kein angenehmer Aufenthaltsort, bot nur Lebensraum für die Stärksten, für die, die sich den extremen Bedingungen anpassen konnten.
Einige dieser Kreaturen, Sandwürmer, bohrten sich mit Leichtigkeit ihren Weg durch die Dünen, ständig auf der Suche nach Nahrung. Ihre Opfer sahen sich immer einer ganzen Gruppe dieser seltsamen Tiere gegenüber, Opfer, die meist viel größer waren, als die Würmer selbst, und doch erinnerten meist nur abgenagte Knochen an eine begonnene Reise der armen Wanderer.
Doch in dieser Nacht wurden die Kreaturen nicht fündig. Ihre auserwählte Beute hatte sich als zu widerspenstig und wehrhaft erwiesen und so hatten die Sandwürmer von dem jungen Mann abgelassen. Links Schwert hatte jede Attacke der hungrigen Mäuler zunichte gemacht und die Überlebenden schließlich zum Rückzug gezwungen.
Der Sand der vergangenen Tage und Nächte, der langen Wanderung durch das schier endlose Sandmeer, steckte in den Stiefeln des jungen Helden, scheuerte bei jeder Bewegung unangenehm zwischen den Zehen und störte bei jedem Schritt vorwärts. Der Sand hatte seinen Weg überall hin gefunden und Link versuchte beharrlich, ihn zu ignorieren oder die Menge der angreifenden Sandkörner durch gelegentliches Ausklopfen seiner Kleidung zumindest zu reduzieren. Meist verlief der Versuch ziemlich erfolglos, da schon der nächste Schritt durch den tiefen Sand neue Körner in jede Ritze seiner Kleidung trug.
Die Nacht wich dem Tag und die Reise ging unter der bald glühenden Sonne weiter.
Mit einem Tuch versuchte der junge Hylianer sein Gesicht, besonders seine Augen vor den Spielgefährten des Windes zu schützen und trotzdem tränten sie und brannten, waren gerötet.
Ein Stück des Tuches vor Nase und Mund gepresst, stapfte Link eine Düne hinauf, die Füße versanken im feinen Sand. Er kam nur schwer vorwärts. Sein Wasser war ihm, trotz guter Vorbereitungen für diese Reise, schon vor Stunden ausgegangen. Die Kehle brannte vor Durst und die Zunge war kaum noch zu spüren, außer als trockener, dicker Klumpen im Mund. Wie sehr wünschte er sich einen Schluck kühlen Wassers? Wie groß war sein Verlangen, das kalte Nass zu spüren? Er zwang sich, nicht an seinen Durst zu denken, doch seine Gedanken kehrten unwillkürlich zu der quälenden Trockenheit zurück.
Das andere Thema, dass ihn beschäftigte, war die Aufgabe, die vor ihm lag. Seit drei Tagen war der junge Mann bereits in dieser sandigen Einöde unterwegs und schien sich seinem Ziel nicht zu nähern.
Vor einigen Wochen waren einige Händler in Hyrule Stadt eingetroffen und hatten von Angriffen grausiger Kreaturen berichtet. Meist wurden solche Geschichten mit einem Lächeln abgetan, da die Wüste bekanntermaßen ein gefährlicher Ort war und die Reisenden von dort oft genug phantastische Geschichten mitbrachten. Doch diesmal war es anders. Die Händler waren eindeutig in einen Kampf verwickelt gewesen. Ihre Wagen, wenn überhaupt noch vorhanden, waren kaum noch fahrtüchtig. Die Waren waren gestohlen. Viele Händler hatten schwere Verletzungen davongetragen, einige hatten ihr Leben in der Wüste gelassen.
Prinzessin Zelda hatte dem Anführer der Gruppe Audienz gewehrt, ihm lange zugehört und war sichtlich besorgt gewesen. Der Handel mit den Völkern jenseits der Wüste war für Hyrule sehr wichtig und die Händler unternahmen ein ums andere Mal die gefahrvolle Reise, um die kostbaren Waren ins Land zu bringen. Wichtiger noch als der wirtschaftliche Faktor war der jungen Prinzessin die Sicherheit ihrer Untertanen. Daher waren die Reisen auch nur gestattet, wenn die Karawane entsprechend ausgerüstet war und eine gewisse Größe besaß.
Auch die überfallenen Händler hatten sich zusammengetan und waren gemeinsam gereist, doch trotz ihrer Anzahl und dem Vorhandensein von bewaffneten Begleitern, waren sie den Angreifern nicht gewachsen gewesen.
Nach der Audienz hatte Prinzessin Zelda einen Boten nach Ordon geschickt und Link darum gebeten, so schnell wie möglich ins Schloss zu kommen. Natürlich war der junge Hylianer der Aufforderung seiner Prinzessin gefolgt, hatte seine Ausrüstung gepackt und war mit Epona nach Hyrule Stadt gereist.
Dort hatte auch er mit den Händlern gesprochen. Die Beschreibungen der Kreaturen wichen voneinander ab, mit jeder Erzählung wurden sie größer und monströser, gewalttätiger und ihre Anzahl nahm ständig zu. Doch die Gemeinsamkeiten erinnerten Link sehr an die Bulblins, denen er schon im Kampf gegen die Schatten begegnet war. Auch die Prinzessin stimmte zu, als er seine Vermutung geäußert hatte, dass King Bulblin zurückgekehrt sein musste, wenn nicht Schlimmeres geschehen war.
Zelda hatte Link daraufhin gebeten, die Sache zu überprüfen und er hatte sich nicht lange bitten lassen. Nach dem letzten Abenteuer war ihm das Leben im Dorf sehr langweilig vorgekommen. Zunächst noch entspannend, doch irgendwann befriedigte ihn nicht einmal mehr die zuvor immer so geliebte Arbeit mit den Ziegen.
Link hatte sich die Reiseroute der Karawane geben lassen, sich mit Wasser und Proviant versorgt, die Waffen und alle anderen Ausrüstungsgegenstände überprüft und war mit Epona zum Hylia-See aufgebrochen. Dort hatte er die arme Stute zurücklassen müssen und den Weg in die Wüste alleine fortgesetzt.
Und nun, Tage später, war er hier. Inmitten der heißen, nachts frostig kalten, Einöde, suchte seinen Weg durch den allgegenwärtigen Sand und war fast am Ende seiner Kräfte. Obwohl gut vorbereitet war die Wüste ein ernst zunehmender Gegner.
Die Sonne brannte hoch am Himmel, erbarmungslos sendete sie ihre Strahlen auf den einsamen Helden hinab. Link kam es so vor, als wäre sie stärker geworden, jedenfalls konnte er sich nicht erinnern, dass er bei seinem letzten Ausflug in die Gerudo-Wüste so hatte leiden müssen. Ihm war fast, als hätte der glühende Feuerball es auf ihn persönlich abgesehen.
Jeder weitere Schritt fiel dem jungen Mann schwerer als der vorangegangene und irgendwie hatte er das Gefühl, er käme gar nicht mehr voran. Laut der Karte der Händler musste eine Oase ganz in der Nähe sein. Mit diesem Gedanken zwang er sich voran, eine Düne nach der anderen nehmend.
Er erreichte den nächsten Kamm und fiel erleichtert auf die Knie. Einige Meter vor ihm, am unteren Ende der Düne zeigten sich einige Felsen und Bäume. Fast glaubte er, er sei einer Fata Morgana erlegen als er sich wieder erhob und auf das für diese Gegend ungewöhnliche Bild zuschritt, doch bald konnte er die Bäume und das Wasser riechen.
Erleichterung erfasst Link und mit neuer Kraft legte er die Distanz zur Oase zurück. Kaum hatte er den ersten Baum erreicht, konnte er auch schon die Quelle sehen, die der Vegetation hier Leben spendete. Wie im Rausch stürzte er auf das Wasserbecken zu, von dem ein Rinnsaal das Nass in die Oase trug, ließ dabei seine Ausrüstung einfach neben sich fallen. Er nahm hastig einige Schlucke Wasser, tauchte dann übermütig den Kopf hinein. Wie erholsam das Wasser doch war! Der erste Schluck hatte ein schieres Glücksgefühl ausgelöst und das Verlangen nach mehr entfacht. Der zweite, dritte, vierte Schluck hatte das Leben zurückgebracht.
Als der Durst gestillt war, ließ sich Link zwischen Felsen und Bäumen zu Boden sinken. Er dachte einen Moment nach und verfiel schließlich in ein wildes Lachen. Lachen, Ausdruck seines Lebenswillens, hallte durch die Oase und war sicherlich auch in der umliegenden Wüste noch weit zu hören. Bald schmerzte vom Lachen der Bauch und Link hielt ihn, bemüht den Lachkrampf zu überwinden. Sein Atem beruhigte sich und bald übermannte ihn die Erschöpfung und der Schlaf zog ihn in erholsame Dunkelheit.
Kapitel 2
Völlig verwirrt schreckte Link hoch. Sand rieselte aus seinen Haaren und rutschte die Falten seiner Tunika hinab. Noch immer befand sich der junge Hylianer zwischen den Felsen und Bäumen der kleinen Oase. Die Sonne hatte den höchsten Punkt ihres täglichen Laufs bereits weit überschritten und gab dem Himmel eine rot-orange Färbung.
Wie lange hatte er hier gelegen? Nur ein paar Stunden? Oder vielleicht sogar einen ganzen Tag? Er hoffte, es waren nur einige Stunden gewesen. Ein Gefühl von Pflichtvergessenheit erfasste ihn. Hatte er zu viel Zeit verloren? War Hyrule, war Zelda in Gefahr?
Nachdem er sich von seiner provisorischen Schlafstelle erhoben und den Sand von der Kleidung geklopft hatte, suchte er seine Ausrüstung zusammen. Alles war voller Sand. Doch auch dieser ließ sich grösstenteils durch leichtes Klopfen entfernen.
Link nutzte die kleine Quelle, wusch sich kurz und füllte die Wasserflaschen wieder auf. Dann schaffte er seine Sachen hinter einen Felsen, suchte etwas Holz zusammen und machte Feuer.
Ein weiterer Blick zum Himmel, auf den Stand der Sonne, verriet ihm, dass es keinen Zweck hatte jetzt weiter zu reisen. Selbst wenn es bedeutete, dass er weitere wertvolle Zeit verlieren würde, wusste er, dass die Nacht hier zu verbringen, die klügere Entscheidung war.
Als das Feuer entfacht war und ruhig vor sich hin brannte, nahm Link sein Schwert und untersuchte den Rest der Oase. Unangenehme Überraschungen während der Nacht wollte er verhindern, und sein Magen machte ihn durch beständiges Knurren darauf aufmerksam, dass es längst Zeit zum Essen war. Seine Runde zwischen Felsen und Bäumen mochte ihn vielleicht zu etwas Essbarem verhelfen.
Die Sonne stand nun knapp über dem Horizont. Sanft berührte ihr strahlendes Orange den Kamm einer Düne, belegte den Himmel mit einem Flimmern in einem leicht sanfteren Orangeton. So weit das Auge reichte, bot sich nur ein Anblick: Sand. Lange beobachtete Link den Horizont, doch zu seiner Erleichterung war weit und breit nichts und niemand zu sehen.
Schließlich setzte er seine Runde fort, verschwand wieder zwischen den Felsen und der kargen Vegetation. Die Temperatur war merklich gesunken, die Dunkelheit begann die Oberhand zu gewinnen und der junge Mann sehnte sich nach der Wärme und dem Licht des Feuers.
Zwischen den staubigen Felsbrocken stieß er auf einige, kleinere Tiere, die die aufkommende Nacht zur Jagd benutzen wollten. Skorpione und Spinnen machten sich auf, ihr Leben in dieser Einöde zu bestreiten.
Hungrig wie er war, nahm Link die Tierchen mit, kehrte zum Feuer zurück und bereitete sich die Spinnentiere am Spieß zu. Großzügig und besonders schmackhaft war die Mahlzeit nicht, aber im Moment stellte sie alles dar, was der Hylianer hier bekommen konnte. Die Panzer krachten laut bei jedem Biss.
Als er sein Abendmahl beendet hatte, legte Link sich neben der Feuerstelle zum Schlafen nieder. Sein Schwert blieb in Reichweite neben ihm.
Einige Momente starrte er noch in die letzten Flammen des sterbenden Feuers. Wie mochte es der Prinzessin gehen? Und Ilya? Und den anderen aus dem Dorf? Er hoffte inständig, dass alle in Sicherheit waren und er, welches Unheil Hyrule auch immer drohte, es rechtzeitig abwenden konnte. Schließlich verfiel er in einen unruhigen Schlaf, gequält von Träumen, die ihn in die Zeit des Schattenangriffs zurück brachten.
Kapitel 3
Schreie, Stimmen ließen Link aus einem der Alpträume hoch schrecken. Hastig griff er nach dem Schwert, blieb dann in der Hocke und lauschte. Weitere Stimmen, unverständliche Schreie und Laute von Tieren hallten durch die Nacht.
Links Blick fiel auf die letzten glimmenden Reste seines Feuers. Er nahm eine Hand voll Sand und mit einem gezielten Wurf löschte er auch die letzte Glut.
So leise wie es ihm möglich war, nahm er seine Ausrüstung an sich und verschwand hinter den nächsten Felsen. Noch war völlig unklar, ob es sich bei den Neuankömmlingen um Freund oder Feind handelte. Natürlich war es möglich, dass eine weitere Karawane hier Halt machte, doch Link vertraute seinem Instinkt und der sagte ihn, dass er vorsichtig sein sollte.
Im Schutz von Nacht und Felsen schlich der junge Mann näher an die Fremden heran. Er verbarg sich hinter einigen kleineren Bäumen, spähte in die Nacht und hoffte, dass sich seine Augen bald an die Dunkelheit gewöhnen würden.
Ein Schrei nur wenige Meter neben ihm verriet, dass ihn seine Intuition nicht getäuscht hatte. Gänsehaut bildete sich auf Links Armen. Er hatte den Schrei erkannt: Bulblins.
Wie viele es waren konnte er in der Dunkelheit nicht ausmachen, doch der Lautstärke nach zu urteilen, waren es mehr als ein Duzend. Sich der Tatsache bewusst, dass er nachts, in dieser absoluten Dunkelheit, nichts gegen die Kreaturen ausrichten konnte, zog sich Link auf die andere Seite der Oase zurück.
Hinter weiteren Felsen versteckt, lauschte er der Nacht und den Geräuschen der Monster jenseits der Quelle. Die Kälte der Wüstennacht kroch in seine Kleidung, ließ ihn frösteln, doch die erkaltende Feuerstelle lag zu nah am Lager der Bulblins. Link rieb sich die Arme und zog die Knie nah an den Körper, rollte sich ein und versuchte so die letzte Wärme zu halten.
Langsam breitete sich das Licht der morgendlichen Sonne über dem Horizont aus, färbte den Himmel in sanftes Gelbrot. Die Temperatur stieg langsam an und die ersten zarten Sonnenstrahlen begannen, den sandigen Boden zu erwärmen. Bald schon würde die Wüste wieder die brennende Hölle sein, die Link am vergangenen Tag beinahe das Leben gekostet hatte.
Der junge Held nutzte das erste Licht, verließ sein Versteck und näherte sich dem Lager des Feindes.
Dort herrschte bereits geschäftiges Treiben, Kisten wurden auf die Rücken der Lasttiere verteilt, Bündel verstaut und die gestohlenen Waren zur Weiterreise vorbereitet. Rund um das Lager standen Wachen, einige nur wenige Meter von Links Beobachtungsposten entfernt. Eine Kreatur starrte in die karge Vegetation, suchte nach Spuren von Bewegung und würde bei der kleinsten Auffälligkeit Alarm schlagen.
Link bemühte sich ruhig in seiner Deckung hocken zu bleiben. Jetzt, wo das Tageslicht den Lagerplatz erhellte, konnte er die Gruppe zum ersten Mal sehen und ihre Stärke abschätzen. Offenbar bestand die Bande aus mehr als zwanzig bis an die Zähne bewaffneten Bulblins. Kein Wunder also, dass die Händler und ihre Begleiter keine Chance gehabt hatten, denn die Kreaturen fürchteten den Tod nicht und kämpften nicht wie die Händler um ihr Leben oder ihr Hab und Gut. Alle waren gut ausgebildet und furchtlos, die Händler aber waren nie Krieger gewesen.
Ein Horn ertönte und die Wache verließ ihren Posten in Richtung der abmarschbereiten Gruppe. Auch aus den anderen Richtungen strömten noch weitere Krieger herbei und Link war gezwungen, seine Schätzung zu korrigieren. Bei der nun offensichtlichen Anzahl wunderte es ihn, dass man ihn in der vergangenen Nacht nicht aufgespürt hatte. Oder hatten die Bulblins ihn ignoriert? Ihn nicht als Gefahr angesehen? Nach den Erfahrungen aus dem Schattenkrieg konnte der Hylianer sich das nicht vorstellen. Die blutrünstigen Kreaturen würden ihn als Gefahr erkennen und gegen ihn vorgehen.
Langsam setzte sich der Tross in Bewegung, zog in die Wüste hinein und verschwand schließlich hinter der ersten Düne. Kurzentschlossen folgte Link ihm mit gebührendem Abstand. Er achtete darauf, die Distanz zwischen sich und der Gruppe nicht zu groß oder zu klein werden zu lassen.
Einerseits mochte eine zu geringe Distanz zu seiner Entdeckung führen, andererseits würde eine zu große Entfernung ihn von der Spur abbringen.
Gelegentlich machte die Nachhut Halt und untersuchte den Horizont nach Verfolgern, doch Link verbarg sich jedes Mal vor den suchenden Blicken, in dem er sich flach auf den Sand warf.
Er wusste, dies war seine beste Chance. Entweder er folgte ihnen nun und fand so vielleicht das Versteck der Horde und damit auch die Antworten auf alle Fragen oder aber er verlor ihre Spur und würde bald wieder in der Wüste herumirren und vielleicht sogar sein Leben verlieren.
Schon seit Stunden folgte er nun der Bulblin-Karawane. Die schwer bepackten Lasttiere kamen nur schwer voran, sanken in den Sand ein und waren ebenso erschöpft wie ihre Herren oder der junge Held. Die Sonne machte keinen Unterschied zwischen Tier, Hylianer oder Bulblin.
Link war glücklich, dass er die Wasserflaschen in der Oase bis zum Rand gefüllt hatte. Die erste Flasche war bereits wieder leer, die zweite angebrochen und der quälende Durst ließ nicht nach.
Auch einige Bulblins schienen unter Wassermangel zu leiden, denn sie konnten mit dem Tross kaum Schritt halten, fielen immer weiter zurück. Auf ihre geschwächten Kameraden keine Rücksicht nehmend zog die Karawane vorwärts, ließ sie zurück, allein in einem sandigen Grab.
Link selber war schon an einigen der bedauernswerten Kreaturen vorbeigekommen, hatte ihrer Qual mit einem schnellen Hieb mit dem Schwert ein Ende gemacht.
Düne um Düne kämpfte sich die Karawane voran, Link blieb ihr auf den Fersen. Auch seine Kräfte schwanden bereits, doch er ließ nicht von der Verfolgung ab.
Der Tag neigte sich wieder seinem Ende zu. Die Sonne stand tief am Himmel und Link hatte die dritte Flasche Wasser geleert. Trotz der hereinbrechenden Nacht und der Erschöpfung aller machte keiner Anstalten eine Pause einzulegen, die Lasttiere zogen schnaufend weiter, die verbliebenen Bulblins an ihrer Seite.
Als die Sonne bereits untergegangen war, konnte Link der Gruppe nur noch folgen, da sie Fackeln entzündet hatten. Er lief hinter den schwankenden kleinen Lichtern her, hoffte inniglich der Anführer der Gruppe würde bald eine Rast befehlen. Er zwang sich, die letzte Wasserflasche unangetastet zu lassen, er würde sie sicher noch brauchen, wenn die Reise noch ein Weile weiter ging. Ein wenig schämte er sich, dass er daran nicht schon vorher gedacht hatte und so sorglos mit dem Wasser umgegangen war.
Die Gruppe war im Fackelschein kaum zu erkennen. Bald verschwand sie hinter der nächsten Düne. Link beeilte sich ihr zu folgen, stieg hinauf und ließ sich hastig in den Sand fallen. Mit einem Schlag war die Erschöpfung, die Müdigkeit verschwunden, vergessen all die Qualen der Reise. In der Dunkelheit kaum zu erkennen, zeichnete sich gegen den Sternenhimmel eine Silhouette ab, die Silhouette einer großen Festung. Offenbar hatten sie ihr Ziel erreicht.
Kapitel 4
Reglos lag Link auf der Kuppe der Düne, ignorierte den Sand, der in seine Kleidung rieselte, und betrachtete entsetzt was vor ihm lag. In der Dunkelheit war von dem gewaltigen Bauwerk nur wenig zu erkennen. Einige Fenster waren aufgrund des dahinter vorhandenen Lichtes erkennbar, Fackeln auf der Mauer zeigen, dass die Anlage stark bewacht wurde, doch ganze Bereiche des Gebäudes lagen in tiefster Dunkelheit.
Link überlegte nicht lange, denn dass er das Bollwerk betreten wollte, war ihn sofort bei seiner Ankunft bewusst gewesen. Einen Moment später war er schon auf dem Weg, näherte sich der Festung an einer ihrer stockfinsteren Seiten, ständig bemüht, keine der Wachen auf sich aufmerksam zu machen.
Er erreichte die felsige Basis der Anlage, betastete die Wand vor ihm, konnte aber keinerlei Halt daran finden. Hier würde er nicht einfach hinaufklettern können. Im kargen Sternenlicht versuchte der junge Held zu erkennen, was oberhalb von ihm lag.
Offenbar gab es einen Laufgang mit Zinnen, der in regelmässigen Abständen von Wachen patrouilliert wurde. Link konnte die Bewegungen der Fackeln dort oben verfolgen.
Er brauchte nur einen Moment, dann stand seine Entscheidung fest: der Doppelhaken. Er zog den Ausrüstungsgegenstand aus seiner Tasche, versuchte im Dunkeln zu zielen und hoffte, dass der Anker einen festen Halt fand und nicht von den Wachen entdeckt würde. Mit einem Zischen suchte sich der Haken seinen Weg. Ein leichtes Ziehen und Link war sich sicher, der Anker hatte sein Ziel erreicht. Vorsichtig belastete er die verbindende Kette, sie hielt.
So leise wie es ihm möglich war, machte sich der junge Hylianer an den Aufstieg. In der Dunkelheit auf dem glatten Mauerwerk einen Halt zu finden, erwies sich aus recht schwierig, doch schließlich erreichte Link die Oberkante. Er hing noch einen Moment an der Mauer, versuchte auszumachen, wo sich die Wächter aufhielten, zog sich schließlich auf den Laufgang.
In der Dunkelheit hockend zog er den Doppelhaken wieder ein und verstaute ihn wieder in der Tasche. Die Fackeln der Wachen bewegten sich noch von seiner Position fort, was dem jungen Mann ermöglichte, in geduckter Haltung eines der Fenster unbemerkt zu erreichen. Ein kurzer Blick zeigte, dass der Gang dahinter leer war und einen Moment später war Link in der Festung. Geräuschlos ließ er sich in den Korridor gleiten.
Mit Schild und Schwert bewaffnet machte er sich auf, das Innere des Bollwerks zu erkunden.
Link erreichte eine T-Kreuzung und entschied sich für den Gang, der nach links abging und tiefer in das Innere der Festung hineinführte. Alle paar Meter wurde der Gang von Fackeln beleuchtet, aber es war trotzdem nicht besonders hell.
Bisher war Link noch keinem Feind begegnet. Er war sich nicht sicher, ob dies ein gutes oder ein schlechtes Zeichen war. Zum einen war es ihm so möglich, ohne Probleme voran zu kommen, zum anderen konnte dies genauso gut eine Falle sein.
Der Gang führte zu einer Treppe, hinab in die unteren Geschosse des Gebäudes, tiefer ins Halbdunkel hinein. Auf der Treppe vernahm Link bereits Schritte, zwei oder mehrere Gestalten hielten sich in dem Gang unter ihm auf. Er verbarg sich im Dunkel der Stiege und wartete. Die Laute unten wurden wieder leiser, die Kreaturen entfernten sich wieder. Der junge Mann atmete tief durch, noch war er nicht entdeckt worden.
Am unteren Ende der Treppe angekommen, folgte Link dem Verlauf des Korridors. Er nahm denselben Weg wie die Monster, die eben noch in dem Gang gewesen waren. Der Weg endete in einer weiteren T-Kreuzung, mündete in einen breiteren Korridor, von dem zwei Türen abgingen. Dieser Gang war besser beleuchtet und Link konnte weit in beide Richtungen sehen.
Beide Seiten endeten an großen, schweren Holztüren. Der Gang sah in beiden Richtungen identisch aus, kein Hinweis darauf, welcher für Link interessanter sein könnte.
Schließlich entschied er sich für den rechten Weg, trat aus dem dunkleren Nebenkorridor hinaus und schritt auf die Tür zu. Vorsichtig öffnete er sie einen Spalt und spähte in den dahinter liegenden Raum. Offenbar war er leer und so trat Link ein, schloss die Tür hinter sich und sah sich um.
Der Raum, eher ein Saal glich einer Bücherei. Regale erstreckten sich vom Boden bis zur hohen Decke, vollgestopft mit alten Bücher, Lesetische standen in einigen Nischen, Kerzen erhellten den gesamten Raum.
Am anderen Ende befand sich wieder eine Tür. Während Link sich fast lautlos in ihre Richtung bewegte, kam er an einigen der Regale vorbei. Er warf einen Blick auf die staubigen Buchrücken. Die meisten Titel waren in einer Schrift geschrieben, die nur entfernt dem Hylianischen ähnelte. Konnten diese Bücher aus den alten Zeiten von Hyrule stammen? Link schob den Schild auf den Rücken und griff nach einem der in Leder gebundenen Bücher. Der Einband zerfiel beinahe bei der Berührung, Staub wirbelte auf und Link musste ein Niesen unterdrücken. Vorsichtig stellte der junge Mann das Buch zurück. Er ging einige Schritte weiter, als sein Blick auf einen weiteren Titel fiel: Der Held der Zeit.
Abrupt blieb er stehen, starrte fasziniert auf das alte Schriftstück. Neugierig zog er auch dieses Werk heraus und betrachtete es. Das Leder war noch gut erhalten, die Seiten ließen sich ohne Probleme umblättern und die Schrift war nicht verblast. Das Buch war offenbar nicht so alt wie das andere. Die Schrift war Link vertraut.
"Interessantes Buch, nicht wahr?" erklang eine Stimme hinter dem jungen Helden.
Kapitel 5
Link erschrak. War er wirklich so unvorsichtig gewesen? Entdeckt, weil er seine Neugier nicht zügeln, dem verführerischen Titel des Buches nicht hatte widerstehen können?
"Stell es zurück", sagte die Stimme ruhig aber nachdrücklich.
Er gehorchte. Langsam drehte er sich um, das Schwert noch immer in der Hand.
Einige Meter entfernt stand eine Gestalt, etwa so groß wie der Hylianer, in einen dunklen Umhang mit Kapuze gehüllt. Sie rührte sich nicht einen Millimeter als Link sich ihr zu wandte.
Der junge Mann hatte das Schwert erhoben, bereit sich gegen was auch immer kommen mochte zu verteidigen. Doch die verhüllte Person machte keinerlei Anstalten ihn anzugreifen. Im Gegenteil. Gelassen drehte sie ihm den Rücken zu und ging auf eines der Regale auf der anderen Seite des Saal zu. Dort angekommen nahm sie eines der Bücher heraus, blätterte desinteressiert darin herum und stellte es schließlich zurück an seinen Platz.
"Wir haben lange gebraucht, all diese Bücher, all dieses Wissen zusammen zu tragen", fuhr der Fremde fort.
"Wer seid Ihr?" fragte Link. Er war sich sicher, dass er sich seinem Gegenüber nicht vorzustellen brauchte. Er ließ die Gestalt nicht aus den Augen.
"Das tut nichts zur Sache. Wichtig ist nur, dass du hier bist", kam die Antwort.
Link war verwirrt. Wusste der Fremde, dass er auf der Suche nach den Bulblins gewesen war? Woher? Woher hatte er gewusst, dass er gerade jetzt in diesem Raum zu finden war? Oder war das Zufall gewesen? Und wieso war es so wichtig, dass er hier war?
Die Gestalt ließ ein seltsames, fast grausames Lachen vernehmen. Link lief ein Schauer über den Rücken. Sein Gegenüber führte nicht Gutes im Schilde, sagte ihn sein Instinkt.
Bedächtig schritt die Gestalt auf die zweite Türe zu. Link folgte ihr einige Schritte, das Schwert weiterhin erhoben und auf alles vorbereitet. Nur auf eines nicht.
Als der Fremde die Tür erreichte, öffnete er sie nicht, sondern trat einfach hindurch. Das dicke, alte Holz schien ihn nicht im Geringsten zu interessieren. Erstaunt starrte Link auf die Tür, betastete das solide Material und griff schließlich nach der Klinke. Verschlossen. Er rüttelte an der Tür, doch das Schloss gab nicht nach.
Ein vertrauter Schrei hinter ihm ließ den jungen Helden herumfahren. Eine Horde Bulblins hatte den Raum durch die andere Tür betreten und verteilte sich. Schwerter, Knüppel und Bögen waren zum Kampf bereit.
Ein kurzer Moment genügte Link, den Schild vom Rücken zu nehmen und in Kampfposition zu gehen. Er beobachtete die Kreaturen genau, wartete auf den ersten Angriff.
Er kam von links. Zwei Bulblins sprangen gemeinsam ab und stürzten sich ihre Keulen schwingend auf den jungen Mann. Dieser hob den Schild, wehrte die erste Attacke ab und schlug einen der Angreifer nieder. Die Keule des zweiten Monsters prallte geräuschvoll gegen den Schild. Link konterte mit dem Schwert und befreite sich von Angreifer Nummer zwei.
Nun griffen auch die anderen Bulblins ins Geschehen ein.
Pfeile zischten in Links Richtung, prallten am Schild ab oder bohrten sich in die umgebenden Wände und Möbel.
Den Pfeilen ausweichend rollte sich Link über den Boden auf die nächsten Angreifer zu. Er schnappte sich den Ersten, nutzte ihn als Schutzschild vor der nächsten Salve Pfeile. Unter wildem Geschrei stoppte der Angriff der Bogenschützen, sie schrien einander an.
Die Verwirrung kam Link gerade recht. Sie kostete drei weiteren Bulblins das Leben. Trotzdem war ihre Anzahl zu groß, Link zog sich zur ersten Tür zurück und verließ den Raum. Der Korridor war leer und die Tür eng genug, seine Chancen zu verbessern. Die Pfeile konnten ihn hinter dem dicken Holz nicht erreichen und jeder Angreifer, der sich der Tür näherte, fiel dem Schwert zum Opfer.
Link hörte ein Knarren von der anderen Seite der Bibliothek und das Geschrei im Inneren wurde wieder lauter. Offenbar war Verstärkung durch die eben noch verschlossene Tür gekommen.
Die Taktik geändert zog Link die Tür mit aller Kraft zu, griff mit einer Hand nach einer Fackel und nutzte diese, um die Tür zu versperren.
Er wandte sich der Tür am gegenüberliegenden Ende des Ganges zu. Hinter ihm wurde laut gegen die Tür geschlagen. Lange würde das Holz diesen Kräften nicht standhalten.
Link öffnete die Tür und bereute es einen Moment später bereits.
Mit einem Ruck wurde sie von innen aufgestoßen und eine weitere Horde Bulblins stürmte in den Gang. Link wich ein paar Schritte zurück, wehrte die Schläge von Schwertern und Knüppeln ab und versuchte, sich in den Gang zur Treppe zurück zu ziehen. Dort erwarteten ihn bereits weitere Kreaturen. Ein lautes Krachen verriet, dass die zweite Tür nachgegeben hatte.
Link war umzingelt. Wild um sich schlagend setzte er sich zur Wehr, stellte sich gegen die Übermacht.
"Wir brauchen ihn lebend!"
Die verhüllte Gestalt war wieder erschienen, stand zwischen den wild schreienden Monstern, reglos wie zuvor. Sie hatten ihn erwartet! Die Erkenntnis traf Link wie ein Schlag. Und sie waren gut vorbereitet gewesen, hatten ihn in eine Falle gelockt. Wieso? Was ging hier vor?
Link spürte die kalte Wand hinter sich, war umgeben von wütenden Monstern. Er war sich nicht sicher, dass sie dem Befehl des Verhüllten Folge leisten würden. Sein Herz schlug rasend schnell, der Atem ging heftig und Adrenalin hatte seine Sinne geschärft. Mit dem Schwert hielt er die Angreifer auf Distanz, doch einen Ausweg konnte er nicht finden.
Die Gestalt unter der Kapuze stieß wieder ein fieses Lachen aus.
"Gib auf! Du kannst nicht entkommen!"
Link konnte ihm nur Recht geben, wollte sich aber nicht dazu entschließen tatsächlich die Waffen zu strecken. Die Prinzessin, seine Freunde, alle zählten auf ihn. Doch was mochte es bringen hier zu sterben?
Noch während der junge Held den Gedanken verfolgte, setzte einer der Bulblins zu einem waghalsigen Angriff an. Link wurde von seinem Schrei aus den Gedanken gerissen, konnte im letzten Moment den Schild hoch über den Kopf ziehen. Schon prallte die garstige Kreatur dagegen. Der Ruck warf Link von den Beinen und mit einem Mal waren nur grüne Gesichter, Arme, Hände um ihn. Sein Schwert, sein Schild wurden seinen Händen entwunden und verschwanden in der grünen Masse.
Link schrie, schlug wild um sich und trat mit aller Kraft nach den Kreaturen, doch ihre Anzahl war zu groß. Starke Arme griffen nach ihm, zwangen ihm die eigenen Arme auf den Rücken. Er erhaschte einen Blick auf das Seil, das gebracht wurde, ihn zu fesseln, dann fiel sein Blick auf die verhüllte Gestalt, die die Szene regungslos beobachtete.
Kapitel 6
Mit grobem Schubsen trieben die Bulblins ihren Gefangenen durch die Gänge der Festung, zerrten ihn tiefer hinein in das finstere Gemäuer. Nur widerwillig folgte Link seinen Wächtern durch die düsteren Korridore. Zimperlich waren sie nicht mit ihm umgegangen. Die Fesseln saßen so fest, dass sie in die Handgelenke einschnitten, die Haare waren zerzaust und die Nase blutete ein wenig. Doch der Wille des jungen Mannes war noch lange nicht gebrochen, er war fest entschlossen, sich zu befreien und den Kampf dann zu gewinnen.
Sie schleppten ihn in einen weiteren großen Saal. Mächtige Säulen erhoben sich in die Höhe, Wandteppiche, Kandelaber, alte Gemälde zierten die hohen Wände.
Am Ende der Halle befand sich ein großer Tisch, unter ihm ein dicker roter Teppich. Um den Tisch herum waren einige Stühle angeordnet, mit rotem Samt bezogene Rücken- und Armlehnen, goldene Ornamente. Alle unbesetzt.
Geduldig warteten die Bulblins mit ihrem Gefangenen in einigem Abstand zum Tisch. Nichts rührte sich. Es gab keine weiteren Türen, die in den Saal führten und Fenster waren auch nicht vorhanden.
Seine Wachen ließen den jungen Hylianer keinen Moment aus den Augen, beobachteten jede seiner Bewegungen und würden nicht zögern, sich auf ihn zu stürzen, sollte er einen Fluchtversuch auch nur andeuten.
Link wartete ebenso geduldig, harrte der Dinge, die da kamen. Was blieb ihm auch anderes übrig? Gefesselt, seiner Waffen beraubt und umgeben von Feinden standen seine Chancen nicht besonders gut. Verzweifelt versuchte er, die Hände in den Stricken zu bewegen, verzog vor Schmerz das Gesicht und unterließ den Versuch dann. Von einem seiner Begleiter erntete er nur ein grimmiges Knurren.
Mit weit aufgerissenen Augen beobachtete Link, wie vor ihm weitere verhüllte Gestalten im Raum erschienen. Wie aus dem Nichts tauchten sie direkt hinter den Stühlen auf, eine grauschwarze Gestalt nach der anderen. Nur eine trug einen roten Mantel mit ebenso roter Kapuze. Diese Person erschien am Stuhl, der am Kopf des Tisches, Link gegenüber, stand.
Was waren das für Wesen? Was verbarg sich unter den Kapuzen? Die magischen Kräfte, die sie besaßen, waren wohl nicht unbedeutend. Link glaubte, er habe bisher nur ein wenig davon gesehen.
Bei Erscheinen der Verhüllten nahmen die Bulblins eindeutig Haltung an. Die grünhäutigen Kreaturen richteten sich auf, hielten die Waffen bereit und schienen bei jedem nicht ausgesprochenen Befehl sofort gehorchen zu wollen. Link merkte, wie er sich unwillkürlich versteifte.
Die Verhüllten, insgesamt waren es sieben, wandten sich Link zu. Dieser konnte zwar ihre Gesichter nicht sehen, doch ihre Blicke waren förmlich zu spüren. Unbehagen überkam den jungen Mann. Hier war eindeutig nichts Gutes im Gange.
Der in Rot gehüllte Fremde kam näher heran, blieb etwa einen Meter vor Link stehen und schwieg einen Moment. Offenbar musterte er Link von oben bis unten. Dann wandte er sich wieder ab und ging auf die Gruppe zu, als hätte er die Ware eines Händler kurz betrachtet und sich sein Urteil über deren Qualität gebildet.
Link fühlte sich gedemütigt, er war keine Ware und er wollte sich auch ganz sicher nicht so behandeln lassen. Ihm gefiel die Situation ganz und gar nicht. Wieder zerrte er an den Fesseln, was wieder keinen Erfolg brachte, wenn man von den Schmerzen in den Handgelenken absah. Einer der Bulblins neben ihm mochte diesen Versuch nicht und verpasste den Hylianer einen Schlag in die Rippen. Link keuchte, krümmte sich vor Schmerz.
Der Rotgekleidete drehte sich, fixierte die Kreatur einen Moment und meinte dann:
"Schafft ihn in die Zeremonienhalle! Und sorgt dafür, dass er sich benimmt."
Den letzten Satz sahen die Grünhäutigen als Freikarte an, Link auf dem weiteren Weg durch die Festung weiter zu schubsen, treten, schlagen. Die junge Held wünschte sich nichts sehnlicher, als die Hände frei zu bekommen und sich zu revanchieren. Doch eine Gelegenheit bot sich nicht.
Korridor um Korridor stolperte er vorwärts, das fiese Lachen seiner Peiniger in den Ohren.
Schließlich erreichten sie ihr Ziel. Der Korridor wurde breiter, war gut beleuchtet und Wachen standen alle paar Meter auf ihren Posten. Am Ende befand sich ein großes Holztor, mit Eisenbeschlägen, reich verziert mit verschiedenen Bildnissen grausiger Kreaturen.
Kapitel 7
Knarrenden schwangen die Türen auf, als sich die Gruppe näherte und gab den Weg in eine Halle frei. Säulen, geformt nach ebenso grausigen Monstern wie auf der Tür, hielten eine Decke, bemalt mit blutrünstigen Szenen eines lange vergangenen Krieges.
Rothaarige Kriegerinnen stürmten die Tore einer Stadt, legten Feuer in den Häusern, metzelten die Bewohner nieder. Überall Chaos und Zerstörung. Ebenso grausam waren die Szenen, die die Wandteppiche verzierten. Fackeln flackerten an den Wänden, warfen Schatten auf die Umgebung, die die Statuen zu beiden Seiten noch furchterregender aussehen ließen. Die Grundform der Halle war ein Kreis, in deren Mitte befand sich eine Art Altar aus weißem Marmor. Direkt dahinter stand ein steinerner Sarg, mit alten Schriftzeichen verziert.
Kaum hatte Link mit seinen Wächtern den Raum betreten, erschienen wieder die verhüllten Gestalten, gruppierten sich rund um den Altar. Der Rote ließ sich eine goldene Schatulle bringen, öffnete sie und entnahm einen reich verzierten Dolch.
Link ahnte nichts Gutes, stemmte sich verzweifelt gegen die Bulblins, die bereits seine Arme ergriffen hatten und ihn Richtung Altar zerrten. Er hatte keine Chance.
Mit einem Mal lösten sich die Fesseln, doch Link konnte mit der neu gewonnenen Freiheit nichts anfangen, denn die sechs Schwarzgekleideten murmelten gemeinsam irgendwelche Formeln und wie von unsichtbaren Ketten gehalten befand sich der junge Held einen Moment später auf dem weißen Marmor. Panik breitete sich in ihm aus, er kämpfte gegen die unsichtbaren Kräfte, bäumte sich auf und schrie auf die Umstehenden ein.
"Was wollt Ihr von mir? Was habt Ihr vor? Lasst mich los! Arghh!" Verzweifelt sah er von einem zum anderen, versuchte einen Blick auf ihre Gesichter zu erhaschen, vielleicht etwas Menschliches zu erreichen. Doch sie starrten weiterhin vor sich hin, beteten ihre unseligen Sprüche runter und warteten.
Ein Ruck ging durch den sich windenden Körper des jungen Hylianers und die magischen Kräfte fixierten ihn endgültig auf dem kalten Stein. Schwer atmend lag er dar. Sollte es so enden? War das wirklich sein Ende, sein Tod? Sein letzter Gedanke sollte Prinzessin Zelda gelten. Er rief sich ihr Bild ins Gedächtnis, ihr zartes Gesicht, das lange Haar, die wunderbaren Augen, die so viel Güte ausstrahlten. Er erinnerte sich an ihre Stimme, ihren Geruch, an ihre Bewegungen. Wie sehr wünschte er sich jetzt bei ihr zu sein, seine Hand auf ihre Wange zu legen und die zarte, warme Haut zu berühren.
Der in Rot gehüllte der sieben Fremden nahm den Dolch, eine rituelle Waffe, begann ebenfalls seltsame Worte zu murmeln und schritt um den Altar herum. Link beobachtete ihn, folgte seinen Bewegungen und hoffte, noch einen Ausweg zu finden.
"Prinzessin", flüsterte er fast flehend.
Den Dolch in der Hand näherte sich der Rote dem jungen Mann von der Seite, weiterhin war das monotone Gemurmel zu vernehmen. Absolut gefühllos griff er nach Links linkem Arm, setzte den Dolch an und machte einen Schnitt. Link biss die Zähne zusammen, unterdrückte einen Schrei.
Einer der Schwarzen reichte seinem Meister ein reich verziertes Glasgefäss und der Rote ließ etwas von Links Blut hineintropfen. Er betrachtete die rote Flüssigkeit einen Moment, drehte das Glas im Licht.
"Bringt ihn fort", sagte er schließlich mit rauer Stimme, ohne den Blick von dem Glas zu wenden.
"Nach dem zweiten Teil der Zeremonie wird der Meister entscheiden, was mit ihm geschehen soll." Die Kraft der magischen Ketten ließ nach. Link war verwirrt, er hatte fest mit seinem Ende gerechnet. Was ging hier nur vor?
Schon waren die Bulblins wieder zur Stelle, zogen Link von der Marmorplatte und drehten ihm seine Arme auf den Rücken. Noch ehe der junge Mann sich besonders zur Wehr setzen konnte, hatten sie ihn wieder gefesselt. Ein leichtes Zerren an den Stricken verriet, dass sie ihn ebenso gut vertäut hatten wie zuvor.
Grob wie sie waren, zerrten sie ihn in Richtung des großen Tores. Ständig versuchte er den Kopf zu drehen und einen Blick auf das zu bekommen, was da hinter ihm vor sich ging, doch seine Bewacher waren zu stark.
"Halt! Wartet!" kam die Stimme des Roten von hinten. Abrupt kam die kleine Gruppe zum Stehen.
"Er soll sehen, wofür sein Blut benötigt wird."
Mit einem Ruck drehten die grünhäutigen Kreaturen den jungen Hylianer um.
Einerseits war damit Links Wunsch, das was da vor sich ging zu sehen, erfüllt, doch andererseits war er sich in diesem Moment gar nicht mehr so sicher, dass er das wirklich sehen wollte.
Die Schwarzgekleideten nahmen neue Positionen um den Sarg herum ein, zwei von ihnen hatten jeweils ein weiteres gläsernes Gefäss auf den Marmoraltar gestellt, der Rote stand nun direkt davor. Er nahm eines von den neuen Gefässen, dass eine violette Flüssigkeit enthielt und füllte diese zu dem Blut des junge Mannes in den Kristallkelch. Link vermutete, dass es sich um Feentau handelte. Die letzte Zutat für das merkwürdige Gebräu war ein silberschwarzes, glänzendes Pulver, kleine Splitter, die beim Schütten im Fackelschein tausend kleine Sterne in der Luft erscheinen ließen. Auf die Distanz konnte Link es nicht identifizieren.
Der Rote verrührte das Gebräu mit dem rituellen Dolch und schritt dann zur Kopfseite des Sarges. Die sechs anderen Verhüllten hatten wieder mit ihrem Gemurmel begonnen.
Fasziniert und gleichzeitig verstört beobachtete Link, wie sich die Deckplatte des Sargs anhob, einige Zentimeter darüber in den Luft verharrte und sich dann in Nichts auflöste, den Blick auf den Inhalt des Sarges freigab.
Mit einem Schlag war Link vollkommen bewusst, was hier geschehen sollte. Entsetzt und verzweifelt schrie er auf, stürmte einige Schritte vorwärts, bevor ihn die Bulblins wieder unter Kontrolle hatten.
"NEIN! Was tut Ihr da!"
Auf einen Wink des Roten verpassten ihm die Bulblins einige Schläge und Tritte und trieben ihn damit aus der Halle hinaus.
Kapitel 8
Link erwachte mit dem Gesicht auf kaltem Stein. Strohhalme, Dreck, Feuchtigkeit zeigten dem jungen Helden, dass es sich nur um den Boden des Kerkers handeln konnte. Einer der Bulblins hatte offenbar die Geduld mit dem sich wehrenden Gefangenen verloren und ihn bewusstlos geschlagen.
Mühsam rappelte Link sich auf die Knie, schüttelte den Kopf, der von dem Schlag noch ein wenig schmerzte. Sein Blick fiel auf eine der schwarzen Gestalten, die reglos vor den Gittern stand und ihn anstarrte.
"Interessant?" fragte der Hylianer gereizt und starrte ebenso stur zurück.
Der Fremde antwortete nicht, wandte den Blick nicht ab und ließ auch sonst nicht erkennen, dass er überhaupt lebendig war.
Link ließ sich nach hinten fallen, lehnte sich an die Wand der Zelle und versuchte halbwegs bequem zu sitzen. Seine Augen ließen nicht von dem Schwarzen ab, fixierten ihn.
Es war wie ein Spiel, ein Wettkampf. Wer hatte den stärkeren Willen? Wer schaute zuerst weg und würde so zeigen, dass er unterlegen war?
Einige Minuten verstrichen, die dem jungen Mann wie kleine Ewigkeiten vorkamen, doch einen weiteren Triumph wollte er den mysteriösen Gestalten nicht gönnen. Nicht den kleinsten Sieg, auch wenn der Kampf gerade vielleicht nur Teil seiner Einbildung sein sollte.
Schließlich hob der Fremde kurz den Arm an und eine Schale mit klarer Flüssigkeit erschien vor Link auf den kalten, groben Steinplatten.
Dieser vermutete, dass es sich um Wasser handelte, und ihm wurde bewusst, dass er seit längerer Zeit nichts getrunken hatte. Seine Zunge fühlte sich mit einem Male sehr trocken an und die Speichelbildung funktionierte nicht mehr richtig. Sein Verlangen nach dem Wasser wurde immer größer, doch er hatte den Schwarzen durchschaut. Um in den Genuss des Wassers zu kommen, würde Link sich selber vor ihm demütigen müssen, sich hinknien und das Wasser wie ein Tier aus der Schale schlürfen müssen.
Er rührte sich nicht, versuchte den stärker werdenden Durst zu ignorieren und starrte weiter zu der Gestalt jenseits der Gitter.
Weitere Minuten verstrichen und Link schielte immer öfter zu der Schale hinüber. Sein Durst wurde, da das Wasser in greifbarer Nähe stand, unerträglich. Das Spiel, das gegenseitige Anstarren, war längst vergessen. Fast sehnsüchtig blickte Link auf die Schale, biss sich auf die Lippen und bemerkte im ersten Moment nicht, dass der Fremde bereits verschwunden war. Der Platz vor der Zelle war verlassen, leer, als wäre nie jemand dort gewesen.
Wenigstens würde niemand zusehen, wenn Link nun tatsächlich wie ein Hund das Wasser trank. Etwas mühselig kam er wieder auf die Knie, rutschte an die Schale heran und beugte sich darüber. Mit Schlürfgeräuschen, die in seinen Ohren gewaltig laut erschienen, nahm Link von dem Wasser. Der Gedanke, es könne vielleicht vergiftet sein, kam ihm, aber dafür wäre es nun auch zu spät. Die Schale war bereits leer.
Noch wesentlich mühsamer war es ohne Zuhilfenahme der Arme und Hände auf die Beine zu kommen. Link brauchte einige Minuten und Versuche, bevor er stand. Er trat an die dicken Eisengitter, die ihn in der Zelle hielten und die Freiheit draußen. Ein Gang führte von der Zelle fort, weitere Käfige lagen nebenan, führte bis zu einer schweren Tür mit kleinem, vergitterten Fensterchen. Der Gang war leer, ruhig, weitere Gefangene gar es offenbar nicht.
Wieder zerrte Link an den Fesseln, nur um festzustellen, dass sie sich immer noch nicht rührten, bestenfalls die Knoten weiter zugezogen wurden. Er überlegte einen Moment, trat dann an die grob behauene Felswand und betrachtete sie genau. Er suchte nach einer scharfen Kante, scharf genug, die Stricke zu zerschneiden. Er versuchte einige Stellen, wurde schließlich fündig und machte sich vorsichtig an die Arbeit.
Es war sehr mühsam, an die Wand gelehnt, die Arme verdreht, dass das Seil auf der Kante lag, die Arme bzw. den ganzen Körper so zu bewegen, dass möglichst das Seil und nicht die eigenen Hände an dem rauen Gestein aufgeschnitten würde. Einige Abschürfungen hatte Link bereits erhalten, brennende kleine Wunden an Fingern und Handrücken.
Das Seil gab nur langsam nach, Faser um Faser schnitt sich der Stein tiefer hinein. Nicht nur die Schürfwunden taten mittlerweile weh, sondern auch Links Knie, Arme, irgendwie der ganze Körper.
Kapitel 9
Es dauerte scheinbar eine Ewigkeit, doch irgendwann hatte der junge Mann an der Felskante so viele Fasern zerstört, dass der Rest einem beherzten Ruck mit den Armen nicht mehr standhalten konnte. Einen weiteren Moment später hatte Link sich von den Fesseln befreit, rieb sich die Handgelenke und begutachtete die abgeschürften Stellen.
Dann machte er sich an das Schloss der Zellentür. Er untersuchte den Mechanismus, fand aber keine Möglichkeit, ihn ohne weitere Hilfsmittel zu aktivieren.
Ein Geräusch von der Tür am Ende des Ganges ließ Link aus seiner Beschäftigung hochschrecken. Er lauschte einen Moment, dann zog er sich in den hinteren Teil der Zelle zurück, die durchtrennten Stricke und die Hände hinter dem Rücken.
Zwei Bulblins kamen den Gang entlang, blieben vor der Zelle stehen und gaben Grunzlaute von sich. Der eine trug einen Schlüssel bei sich, öffnete Links Zelle und der zweite Bulblin trat an. Er packte Link am Arm und führte den vermeintlich gefesselten Gefangenen in den Gang hinaus, wo Bulblin Nummer eins auf sie wartete. Er wandte sich um zum Gehen, die Wache und den Hylianer direkt hinter sich.
Link erkannte seine Chance, ballte die Faust, holte mit dem rechten Arm aus und schlug die Kreatur neben ihm nieder. Der zweite Bulblin drehte sich, fand sich im nächsten Moment mit dem Strick um den Hals in der Gewalt des jungen Mannes wieder und grunzte verzweifelt, rang nach Luft. Doch Link ließ ihn nicht los, zog das Seil zusammen und wartete bis der Bulblin den ersten Schock überwunden hatte, ihm seine Aufmerksamkeit schenkte.
"Wo ist meine Ausrüstung?" fragte er die keuchende Kreatur, die Enden des Stricks fest im Griff.
Das Monster gab einen quietschenden Laut von sich, holte schnaufend Luft und antwortete:
"Im Vorraum... steht... steht eine... Kiste."
Link warf einen Blick auf die Tür. Wie zur Bestätigung hob der Bulblin einen Arm und deutete mit einem grünen Finger in diese Richtung. Der Strick zog sich fester um den Hals der Kreatur, drückte die Luft ab und der schlaffe Körper des bewusstlosen Monsters sackte Link in die Arme. Geräuschlos ließ er ihn zu Boden gleiten, zog dann ihn und seinen Begleiter in die Zelle, schloss ab und machte sich auf den Weg zur Tür.
Durch das kleine Fensterchen spähte er vorsichtig in den dahinter liegenden Raum. Er war leer. Weiterhin bemüht möglichst leise zu sein, schob sich der Hylianer hinaus, schaute sich kurz um. Der Zellenvorraum war unbesetzt, doch Link konnte Geräusche von hinter einer Tür zu einem weiteren Zellentrakt hören. Und er sah die Kiste.
Mit zwei Schritten war er bei dem unverschlossenen Möbel, hob vorsichtig den Deckel an. Erleichterung machte sich in ihm breit, als er tatsächlich seine Ausrüstung, Schild und Schwert vorfand. Geschwind war alles wieder angelegt. Ein besonders beruhigendes Gefühl erzeugte das Gewicht des Schwertes auf dem Rücken. Dort blieb es allerdings nicht lange, mit einem zufriedenen Lächeln auf dem Gesicht zog Link es wie gewohnt auf der Scheide, schwang es einen Moment hin und her.
Die Geräusche aus dem zweiten Zellentrakt wurden lauter, näherten sich der Tür, alarmierten den jungen Hylianer. Mit wenigen Schritten war er die Treppenstufen hinauf und an der Tür, die aus dem Kerker hinaus führte. Er öffnete sie einen Spalt, vergewisserte sich, dass draußen niemand war und schob sich in den Korridor.
In diesem Moment kam eine Patrouille von vier Bulblins um die nahe Ecke. Link sah sie sofort, die Kreaturen, von der Routine gelangweilt, reagierten überrascht.
Mit einem Satz war Link zwischen ihnen, wirbelte das Schwert herum und schlug den Ersten nieder.
Der zweite grünhäutige Wächter hob seine Keule und sprang auf den Angreifer zu. Link parierte den Schlag, warf die Kreatur zurück, die bewusstlos zu Boden ging. Sofort wandte er sich dem dritten Monster zu, teilte den Oberkörper mit einem schnellen Streich entzwei.
Bulblin Nummer vier wandte sich zur Flucht, wollte schreien, nach Verstärkung rufen, doch Link kam ihm zuvor. Ein schneller Stoß nach vorne, die Schwertspitze in den Rücken, machte auch dieser Kreatur den Gar aus.
Das Ganze hatte nur wenige Sekunden gedauert. Reglos stand Link im nun wieder leeren Gang und starrte auf die grünen Leichen um ihn herum. Sein Atem ging schnell aber regelmäßig, begann bereits sich wieder zu beruhigen.
Der junge Held sah den Korridor hinab, den die Patrouille gekommen war, auch dieser war verlassen, und entdeckte eine weitere Tür. Durch das kleine Fenster darin fiel grelles Tageslicht ein, bildete ein leuchtendes Muster auf dem Boden, ließ Staub in seinen Strahlen tanzen.
Von dem Fensterchen aus konnte Link in den Hof der Festung sehen. Die Türme waren mit Bogenschützen besetzt, ebenso die Laufgänge dazwischen. Das mächtige Tor stand offen, ein Maul, bereit entweder die wütende Horde in die Wüste auszuspucken oder die geraubten Schätze einer weiteren Karawane zu verschlucken.
Im Hof selber standen einige der riesigen Wildschweine, die die Bulblins als Reittiere bevorzugten. Eine der grünen Kreaturen füllte an einem Brunnen einige Wasserschläuche.
Link überlegte einen kurzen Augenblick. Hier konnte er vorerst nichts ausrichten, er musste die Prinzessin, Hyrule warnen, vor der Gefahr, die ihnen drohte. Das Bild aus dem Zeremoniensaal kam ihm in den Sinn, der Sarg, wie er sich öffnete... Er schüttelte den kalten Schauer, der ihn überkam, ab und warf einen letzten Blick durch das Fenster.
Die Wachen auf den Mauern hatten ihre Aufmerksamkeit ganz auf die Umgebung außerhalb der Festung gerichtet, der Bulblin am Brunnen war in seine Aufgabe vertieft.
Link öffnete die Tür, bewegte sich schnell aber leise auf den Brunnen zu. Er überraschte die Kreatur, schlug sie mit dem Knauf seines Schwertes nieder und übernahm einige der gefüllten Schläuche. Hinter ihm grunzten zufrieden die Wildschweine.
Immer noch bemüht, keinerlei verräterische Geräusche zu machen, schlich er zu den Tieren hinüber, befestigte die Wasserreserven an einem der Sättel und schwang sich auf den Rücken des betreffenden Tieres. Mit Wucht rammte er seine Fersen in dessen Flanken. Das Schwein gab einen wilden Laut von sich und stürmte auf das Tor zu.
Der Bulblin am Brunnen war wieder zu sich gekommen und schrie nach Leibeskräften, alarmierte Wachen wandten sich dem Innenhof zu, nur um zu sehen, wie Link auf dem Rücken des Wildscheins durch das Tor raste.
Pfeile prasselten von den Mauern herab, versuchten die Fliehenden zu erreichen und beendeten ihren Flug im Sand. Link trieb das Tier weiter an. Zwei Bulblins auf den anderen Reitschweinen folgten ihm in die Wüste hinein, brachen aber nach wenigen Metern die Verfolgung ab. Es war mehr eine sinnlose Geste gewesen, denn ein wirklicher Versuch mit zwei Kriegern den jungen Hylianer wieder einzufangen.
Link sah sich nicht um, hetzte die dicke, grunzende Kreatur weiter, tiefer in die Wüste hinein, mit nur einem Ziel: Hyrule. Er musste sie alle warnen! Prinzessin Zelda, seine Freunde, einfach alle.
ER war wieder da! Ganondorf!
To be continued..?